Nöte bei 24-Stunden-Pflege: NÖN-Mitarbeiterin erzählt. Mutter in Windeseile vom Ländle ins nördliche Weinviertel gebracht.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 25. März 2020 (04:58)
Romana Schulers Mutter auf „Pflegeurlaub“ im Weinviertel.
Schuler

Vor zehn Tagen wurde über einige Medien zum Thema Pflege viel Optimismus verbreitet. Man habe alles unter Kontrolle, wurde von den zuständigen Hilfswerken kommuniziert. Die Regierung würde demnächst mit den osteuropäischen EU-Staaten entsprechende Sondervereinbarungen treffen, welche die Ein- und Ausreise von Pflegerinnen garantiere würden.

„Wie vom Blitz getroffen standen auch meine Geschwister und ich vor dem Problem, dass wir für unsere Mutter keine Pflege haben würden.“Romana Schuler

Mit den Schließungen der nationalen Staatsgrenzen sind etliche Menschen, die bisher eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch nehmen konnten, mit einem Schlag in große Nöte geraten.

„Wie vom Blitz getroffen standen auch meine Geschwister und ich vor dem Problem, dass wir für unsere 92-jährige Mutter, die seit Kurzem auch verwitwet ist, aufgrund der Corona-Pandemie in den nächsten Wochen keine Pflege haben würden“, berichtet NÖN-Mitarbeiterin Romana Schuler.

Die Option, gleich in ein Seniorenheim umzuziehen, stand für die Mutter nicht zur Diskussion, außerdem, so wurde der Familie erklärt, sei dies so kurzfristig gar nicht möglich.

Agentur wollte Pflegerin zum Dienst überreden

Die Mutter lebt in Vorarlberg. In ihrem Alltag wird sie seit einem halben Jahr von 24-Stunden-Pflegehelferinnen aus Rumänien unterstützt. Am 18. März hätte der monatliche Turnuswechsel stattfinden sollen. Normalweise meldet sich die bundesweit agierende Vermittlungsagentur eine Woche vorher. Diesmal aber kam kein Anruf und keine E-Mail.

„Als mein Bruder M. die Agentur kontaktierte, bekam er sehr vage Auskünfte über die gegenwärtige, zweifellos schwierige Situation. Die Agentur wolle versuchen, die jetzige Pflegerin zu einer Woche Dienstverlängerung zu überreden“, schildert Schuler. Doch Pflegerin Angela drängte aus verständlichen Gründen auf eine Rückkehr nach Hause – sie befürchtete, dass sie für 14 Tage in Quarantäne müsste.

Nach kurzer Beratung innerhalb der Familie wurde beschlossen, die Mutter zu Romana ins Weinviertel zu nehmen, bis sich die Situation beruhigt hat. Am 15. März, nachdem die Grenzschließung zwischen Deutschland und Österreich angekündigt worden war, chauffierte der Bruder die Mutter in höchster Eile aus dem westlichsten Bundesland ins nördliche Weinviertel. Kurz vor Mitternacht, in allerletzter Minute, kamen sie an.

Die Mutter ist in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Zusätzlich leidet sie altersbedingt an einigen Vorerkrankungen und muss regelmäßig ihre Medikamente einnehmen. Sie zählt in Coronazeiten zu den Hochrisikokandidaten. Den Aufenthalt empfindet sie als eine angenehme Abwechslung.

„Für mich ist vieles eine neue Herausforderung, zum Beispiel, mit ihrer allgemeinen Vergesslichkeit umzugehen. Aber wir schaffen das – nur wie?“, sagt Romana Schuler. Das und mehr erfahren NÖN-Leser in den nächsten Ausgaben.