Kirchenglocken der Annakirche zu laut?. Seit 1954 läutet die Glocke der Kirche in der Schlossgasse. Jetzt fühlt sich ein Bürger vom nächtlichen Geläut im Schlaf gestört und gesundheitlich beeinträchtigt.

Von Manfred Mikysek. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:27)
Die Glocke der St.-Anna-Kapelle läutet seit 1954.
Manfred Mikysek

Ein Bürger aus Hagenbrunn hat seinen Anwalt eingeschaltet, weil er sich vom nächtlichen Läuten der Glocke der Kapelle St. Anna in der Schlossgasse gesundheitlich beeinträchtigt fühlt. Der Beschwerdeführer war laut Auskunft von ÖVP-Bürgermeister Michael Oberschil, der über die Problematik in der Gemeinderatssitzung informierte, zuvor mit seinem Anliegen in der Bürgermeister-Sprechstunde.

Oberschil verwies auf die Tatsache, dass die Kirchenglocken seit Jahrzehnten von der Bevölkerung geduldet werden. Der Beschwerdeführer wohnt laut dem Ortschef seit rund einem Jahr in der Nähe der Kirche.

Läuten ist „ortsübliche Immission“

Der Anwalt der Pfarre fasst in seinem Antwortschreiben zusammen, dass aufgrund des prägenden Charakters der Annakirche das nächtliche Glockenschlagen eine „ortsübliche Immission“ darstelle.

Der allgemeine Umstand, dass nächtliche Lärmimmissionen zu Schlaflosigkeit und daher zu Gesundheitsschädigungen führen können, sei ein allgemeiner Erfahrungsschluss und für jeden durchschnittlich sorgfältigen Käufer bzw. Mieter zum Zeitpunkt des Abschlusses des Mietvertrags erkennbar.

Da die von der Annakirche ausgehenden nächtlichen Immissionen erkennbar waren, müsse der Beschwerdeführer sogar eine gesundheitsschädliche Immission – deren Vorhandensein derzeit nicht objektiviert ist – als ortsüblich erdulden, heißt es.

Die Schlosskapelle Hagenbrunn steht im Eigentum der Marktgemeinde Hagenbrunn. Wie Pater Sebastian Hacker mitteilte, wurde sie Anfang des 17. Jahrhunderts von Graf Kollonitz erbaut und von den Klosterneuburger Augustiner-Chorherren kostbar barockisiert.

Nach der Französischen Revolution fanden hier vertriebene Priester Zuflucht, unter anderem der Gründer des Sacre Coeur. Heute nutzt die Pfarre Kleinengersdorf die Kapelle der Heiligen Anna für Rorate- und Schulmessen, Familiengottesdienste und jeden Mittwoch für Rosenkranz und heilige Messe.

Das historische Kleinod in der Umgebung der bekannten Hagenbrunner Heurigen wurde erst kürzlich mit einer modernen Heizung, gesponsert von der Gemeinde Hagenbrunn und dem Lions Club Kreuzenstein, ausgerüstet. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1954, konnten wieder Glocken gegossen und geweiht werden. Seit damals läuten sie zum Gebet und zeigen die Zeit an.

Gemeinde lässt technische Möglichkeiten prüfen

„Die Lautstärke entspricht dem ortsüblichen Maß“, bestätigte Bürgermeister Oberschil. „Die Glocken läuten nie zum Krieg, sondern zum Frieden, zur Nächstenliebe, zur Dankbarkeit Gott gegenüber. Diese Werte braucht unsere Zeit ganz besonders“, erklärte Pater Sebastian Hacker.

Derzeit prüft die Firma, die für das Service der Kirche und ihrer Glocke beauftragt ist, ob es technisch möglich ist, die Glocke in der Nacht leiser läuten zu lassen. Laut Bürgermeister wären die Kosten dafür vom Beschwerdeführer zu tragen.