Unterschriften-Aktion: Proteste gegen Baumfriedhof

Erstellt am 05. April 2022 | 09:44
Lesezeit: 4 Min
Anrainer in Hagenbrunn kritisieren Baumfällungen und fürchten Belastung durch mehr Verkehr.
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Überraschend für die Bürger wurden Bäume in der Siedlung Wolfsbergen gefällt, um einen Parkplatz für einen Baumfriedhof zu schaffen. „Das ist Natura2000-Gebiet, ich bin schockiert, man hat uns nicht informiert, sondern überrumpelt“, berichtet Anrainer Gerhard Löffler im NÖN-Gespräch.

Der betroffene Grund befindet sich im Eigentum des Stiftes Klosterneuburg, der Urnenfriedhof soll von der Klosterwald Verwaltungs-GmbH betrieben werden. Verstorbene sollen in Urnengräbern unter Bäumen ihre letzte Ruhestätte finden. Die Eröffnung ist für 1. Mai angekündigt.

Eine Abordnung von Anrainern war am Montag, 28. März, bei ÖVP-Bürgermeister Michael Oberschil und Bernd Balcar von der Bauabteilung zu einem Gespräch: „Wir sitzen alle in einem Boot“, war die Kernaussage von Oberschil.

Die Anrainer fürchten eine massive Verkehrsbelastung durch die Fahrzeuge der Friedhofs- bzw. Begräbnisbesucher. Aufgrund der Enge sorgt man sich auch, dass die Straße komplett zugeparkt werden könnte. Bereits mehr als 200 Unterschriften wurden gesammelt. In einer Online-Petition fordern sie die „unmittelbare Wiederaufforstung des gerodeten Waldes sowie das komplette Einstellen der geplanten Bestattungsstätte“.

Am 18. März bekamen die Anrainer die Auskunft von der zuständigen Bewilligungsbehörde des Landes NÖ, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. Ihnen ist deshalb unverständlich, dass bereits rund 1.000 Quadratmeter Waldfläche für den Parkplatz und die notwendige Zufahrt geschlägert und vermessen wurden.

„Das durch Natura2000 geschützte sensible Ökosystem und dessen bedrohte und streng geschützte Tierpopulationen (u. a. Ziesel, Hirschkäfer, Spanische Flagge) werden durch das projektbezogene Eingreifen in die Naturschutzregion in vielfacher Weise gefährdet“, begründen die Initiatoren der Online-Petition. „Das Erholungsareal wird der Bevölkerung in dieser Form nicht mehr zur Verfügung stehen“, so die Conclusio.

Vonseiten der Klosterwald- Betreiber ist die Rede von „nur kleinen Eingriffe, die der Förster vornimmt“. Der vorhandene Waldweg werde so hergerichtet, dass auch Menschen mit Gehhilfen den Klosterwald gut erreichen können. „Eine vom Windwurf beeinträchtigte Fläche wird von den umgefallenen Bäumen befreit und als Naturparkplatz für ca. zehn Pkw in Verbindung an die vorhandene Straße errichtet. Ein Andachtsplatz zum Innehalten und Gedenken wird vorbereitet und mit einfachen Holzbänken versehen“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Betreiber: „Wald wird durch Projekt geschützt“

Forstdirektor Hubertus Kimmel ergänzt: „Der Standort ist ideal. Die jungen bis mittelalten Bäume haben den richtigen Abstand zueinander, wir brauchen nur an wenigen Stellen korrigierend eingreifen und der Wald wird durch den Klosterwald langfristig geschützt.“

Die Gemeinde Hagenbrunn sei vom Stift nicht über die Baumfällungen informiert worden, sagt Bürgermeister Oberschil, er hätte deswegen ein Gespräch gefordert, das diesen Mittwoch (6. April) stattfinden wird. Auch in der Gemeinderatssitzung brachte der Ortschef das Thema zur Sprache: „Ohne Rücksprache mit uns, das ist eine Unart, drüberfahren werden sie nicht über uns.“

Laut Walter Hanzmann, Pressesprecher des Stifts Klosterneuburg, handelt es sich um kaputte Bäume, die auf Anweisung der BH Korneuburg vom Klosterwaldbetreiber gefällt wurden. Ein Vertreter der Bezirkshauptmannschaft war am 30. März gemeinsam mit dem Förster vor Ort und hat das Vorgehen überprüft. Weitere Fragen zum geplanten Urnenfriedhof wollte Hanzmann mit Verweis auf das Gespräch mit Bürgermeister Oberschil vorerst nicht beantworten.

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