Drohbriefe an Ortschef: Gericht fällte mildes Urteil. „Die Demolierungsbescheide haben mich in die Verzweiflung getrieben“, erklärt 78-Jährige Drohbriefe an Ortschef Norbert Hendler.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 26. Februar 2020 (06:14)
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Durch alle Instanzen ging ein baulicher Rechtsstreit zwischen Ortschef Norbert Hendler und einer Mitbürgerin (78) – eine zermürbende Zeit für die betagte Wienerin und deren Familie, die letztlich im Rechtsstreit recht bekommen hat.

„Sie werden die Pension nicht erleben, wenn Sie nicht bald abdanken!“

„Ich habe über Monate in Angst gelebt“, schilderte die 78-Jährige vor Gericht ihre damalige Situation und bekannte, dass sie aus Verzweiflung zwei Briefe mit bedrohlichem und diffamierendem Inhalt an den Bürgermeister verfasst habe. So hieß es unter anderem, ob der Bürgermeister seine Pension „ersitzen“ wolle. Dazu kommentierte die 78-Jährige: „Sie werden die Pension nicht erleben, wenn Sie nicht bald abdanken!“

Als Hendler die politische Bühne nicht verließ, folgte eine weitere Drohung, um den Bürgermeister zum Aufgeben zu nötigen. Bei der zweiten Morddrohung wurde ein unmissverständlicher Vergleich zum Anschlag auf den ehemaligen Spitzer Bürgermeister gezogen, der mit einer Praline vergiftet worden war und seither im Koma liegt. „Das war schon sehr schockierend. Dass man mich mit dem Umbringen bedroht hat, das ist eine völlig neue Dimension“, sagte Bürgermeister Hendler.

„Ich wollte ihm nie körperlichen Schaden zufügen. Ich habe unbesonnen und unüberlegt gehandelt“, beteuerte die Beschuldigte vor Gericht.

Mit der Anspielung auf das Pralinen-Attentat habe sie eine Grenze überschritten, meinte der Strafrichter. Er verhängte über die bislang unbescholtene und geständige 78-Jährige wegen übler Nachrede und dem Verbrechen der Nötigung die Mindeststrafe von sechs Monaten bedingt. Rechtskräftig.