Herzensbrecher mit ganz mieser Masche. Betrug /  „Verkaufe Niere, um mir Medikamente leisten zu können!“: Mit Mitleidstour ergaunerte 54-Jähriger Geld von verliebten Frauen.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 17. Juni 2014 (08:32)
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KORNEUBURG, SCHWECHAT, BEZIRK BADEN /  In einer Korneuburger Geschäftsfrau fand der Schwechater Hans N. einen wahren Engel, eine herzensgute Frau, die ihm aus Liebe bereits zu Beginn der Lebensgemeinschaft im Sommer 2007 finanziell unter die Arme griff.

Bei Zweifeln drückte er auf die Tränendrüse

Eiskalt nutzte der 54-Jährige die Gutgläubigkeit der verliebten Weinviertlerin aus: Sie rettete ihn brav vor einer behaupteten Delogierung, half ihm finanziell bei angeblichen Sorgepflichten und sprang ein, wenn sich der an Lungenkrebs Erkrankte die teuren Medikamente nicht mehr leisten konnte.

Keimten bei der Korneuburgerin Zweifel an der Erkrankung des Gefährten auf, erweckte N. Schuldgefühle bei ihr und drückte auf die Tränendrüse. Einmal ging er sogar so weit und erzählte der 54-Jährigen, er müsse nach Brasilien fliegen und eine Niere verkaufen, um sich die lebensnotwendigen Medikamente kaufen zu können. Damit brachte er die zu versiegen drohende Geldquelle wieder zum Sprudeln.

Insgesamt knöpfte N. der Weinviertlerin rund 80.000 Euro ab. Dann brach er seine Zelte ab und fand in einer Internetbekanntschaft, einer Winzerin (59) aus dem Bezirk Baden, eine neue „Sponsorin“. Auch die Winzerin half finanziell (insgesamt mit über 80.000 Euro) aus, damit sich der an Magengeschwüren leidende und herzkranke N. die verordneten Medikamente leisten konnte und nicht an Käfigkämpfen in Thailand teilnehmen musste.

„Der Senat glaubt Ihnen kein Wort“

„Können Sie behandelnde Ärzte nennen oder Befunde vorlegen? Einmal war es Krebs, dann das Herz und der Magen“, versuchte Richter Manfred Hohenecker, der behaupteten Krankengeschichte von N. auf den Grund zu gehen.

„Den Krebs habe ich überwunden. Den Arzt kann ich aber nicht nennen, weil er mich mit Medikamenten behandelt hat, die in Österreich nicht zugelassen sind. Das würde ihn seine Zulassung kosten. Es gibt deshalb auch keine Befunde“, erklärte N.

Mit dieser Verantwortung kam der 54-Jährige nicht durch: „Der Senat glaubt Ihnen kein Wort“, kommentierte Richter Hohenecker harsch und verhängte über den mehrfach vorbestraften Hans N. wegen Betruges eine zweijährige Gefängnisstrafe (nicht rechtskräftig).