informieren müssen“. Trinkwassers. Bürger kritisieren mangelnde Information.

Erstellt am 18. Juni 2013 (00:00)
NOEN, Foto: privat
Von Dieter Rathauscher

BEZIRK KORNEUBURG / Das Hochwasser hat vergleichsweise geringe Schäden verursacht, aber die Trinkwasserversorgung von Stockerau ist durch Verunreinigungen beeinträchtigt. Mit Stockerau sind auch die Gemeinden Sierndorf, Spillern, Leitzersdorf und Niederhollabrunn sowie der Ortsteil Ahra-Gartensiedlung der Gemeinde Hausleiten betroffen.

Die NÖN sprach mit der Stadtamtsdirektorin Maria-An-drea Riedler über die aktuelle Situation. Riedler: „Wir hatten das höchste je gemessene Hochwasser, es war noch um 20 Zentimeter höher als 2002. Durch den enormen Druck des Wassers auf den Auboden und die Belastung mit dem Schlamm hat der Boden einen Teil seiner Filterwirkung verloren. Wir haben daher als erste Maßnahme bereits am 2. Juni mit der Chlorierung begonnen“, schildert sie.

Während die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH) bereits früh in Spillern und Sierndorf erste Untersuchungen durchgeführt hat, wurden erst am vergangenen Dienstag (11. Juni) Proben in Stockerau gezogen. Die Ergebnisse stehen noch immer aus.

Die Stadt Stockerau erhielt auf Anfrage allerdings umgehend Unterstützung der ABC- Abwehrschule Korneuburg des Bundesheers. Hauptmann Martin Weiler entnahm sofort Proben am Brunnen selbst und im Leitungsnetz beim Hydranten der Feuerwehr und stellte die Analyse bereits am nächsten Tag zur Verfügung. Diese bestätigte einerseits einen gewissen Grad der Kontaminierung, andererseits aber auch, dass die Höhe der Dosierung der Chlorzugabe richtig war. Sowohl Riedler wie auch Stockeraus Bürgermeister Helmut Laab sind voll des Lobes für die rasche und unbürokratische Unterstützung seitens des Heers. Diese Analysen können zwar nicht als offiziell gültige verwendet werden, sind laut den Funktionären aber eine große Hilfe, solange das Gutachten der AGES nicht vorliegt.

Die Gemeinde hat am 10. Juni die Warnung auf ihre Homepage gestellt und gleichzeitig den ORF informiert, der in NÖ Heute und anderen Sendungen sowie auf der ORF-Homepage darauf aufmerksam machte. Am nächsten Tag berichteten NÖN, Kurier und noch einen Tag später Krone und Österreich. Dazu gab es dann noch den Postwurf an alle Haushalte, der aber bei Vielen erst am Donnerstag im Postkasten war.

Riedler weiß um die Problematik der Informierung. „Man kann nie alle mit einem Medium erreichen, deshalb haben wir uns für diesen Mix entschieden. Es gibt natürlich Stimmen nach Lautsprecherwagen, aber da sind auch nicht alle zu Hause und hören diese Nachricht“, ist sie sicher.

In Leitzersdorf hat man dennoch auf diese Maßnahme zurück gegriffen: Die Feuerwehr ist mit dem Lautsprecher durch die Gemeinde gefahren, dazu gab es einen Postwurf und es wurden Anrufe beim Kindergarten und der Schule getätigt.

Sierndorf hat auch zum Postwurf gegriffen und Bürgermeister Gottfried Lehner hat Kindergarten, Schule und Gewerbebetriebe zwischen 6 und 7 Uhr persönlich angerufen. Lehner: „Wir haben uns wirklich bemüht, alle zu erreichen.“

Für viele Bewohner jedoch sieht der Fall ganz anders aus. Eine Stockerauerin berichtet von ihren Erfahrungen: „Ich hatte bereits am Montag erste Symptome und habe erst am Donnerstag durch das Flugblatt erfahren, wovon ich krank wurde. Da fährt man doch mit einem Lautsprecherwagen durch!“, fordert sie.

Laut Erzählungen sollen sich vor den Apotheken richtiggehende Schlangen gebildet haben. Erhard Pichler von der Schaumannapotheke bestätigt, dass es einen signifikanten Mehrbedarf an Medikamenten für Durchfallerkrankungen gab, vor allem nach der Ordination der Kinderärztin am Montag. „Wir hatten dreimal so viel Kundenbewegung als sonst. Das ging bis Mitternacht, weil wir Bereitschaftsdienst hatten. Bereits am Wochenende hatten wir erhöhten Bedarf. Wenn wir da bereits die Ursache gekannt hätten, hätten wir anders reagieren können“, merkt er an.

Auch bei der Apotheke zum göttlichen Heiland war eine erhöhte Nachfrage bemerkbar, aber nicht im selben Ausmaß wie in der Hauptstraße. In der Löwenapotheke hingegen gab es eine merkbare Zunahme der Nachfrage nach Medikamenten gegen Durchfall, auch hier speziell für Kinder.

Es gab sogar Gerüchte über Spitalseinlieferungen. Dazu Riedler: „Die Angst der Menschen ist verständlich, vor allem nach dieser Grundwassergeschichte mit Kwizda. Aber ich habe selbst im Spital angerufen, das stimmte alles nicht.“

Und wie geht die Gastronomie mit der Problematik um? Uschi Witek vom Gasthof Greil in Leitzersdorf: „Wir haben unsfür unsere Gäste und für die Kaffeemaschine sofort mit stillem Mineralwasser eingedeckt. Trotzdem merke ich, dass die Gäste beim Kaffee sehr zurückhaltend sind.“

Ihm’s Daylight Art Club hat sich auch mit stillem Wasser für seine Gäste eingedeckt. Man hat aber eine Kaffeemaschine mit Vorbrühsystem, wodurch Keimfreiheit garantiert ist. Der Container für das Sodawasser war zum Glück voll. Bemängelt wird, dass die Verständigung eher zufällig durch einen Kunden geschah.

Die Schmerls, die in der Rathauspassage einen Heurigenbetrieb haben, hatten weniger Glück mit der Sodawasseranlage. Wegen des Direktanschlusses an das Trinkwasser kann die Anlage zurzeit nicht genutzt werden, was zu Umsatzeinbußen führt, da teureres Mineralwasser zugekauft werden muss. „Man hätte alle Angestellten der Gemeinde sofort von ihren Jobs abziehen und von Tür zu Tür schicken müssen, um alle zu informieren. Eine kurze Beeinträchtigung bei den Ämtern hätte die Bevölkerung sicher in Kauf genommen. Besonders die Älteren, die sowieso schon ein schwächeres Immunsystem haben, hätte man so schneller warnen können“, ist Prisca Schmerl überzeugt.