Impfplan sorgt für Ärger in Stockerau. In Stockerau, der größten Stadt im Weinviertel, gibt es keine Impfmöglichkeit für über 80-Jährige.

Von Dieter Rathauscher und Veronika Löwenstein. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:10)
Die Ärzte sind in Biontech/Pfizer- und AstraZeneca-Gruppen geteilt worden. Die Allgemeinmedizinerin Gabriela Fidler-Straka aus Spillern gehört zu den Ärzten, die die über 80-Jährigen impfen darf.
Sturm

Seit zwei Wochen können sich Senioren, die älter als 80 Jahre sind, jeden Mittwoch ab 10 Uhr für einen Impftermin für die Corona-Schutzimpfung anmelden. Da es noch immer zu wenig Impfstoff gibt, wirkt der Vorgang für viele wie ein Lotteriespiel. Dazu kommt noch eine eher komplizierte Interaktion mit der Impfseite.

Für Stockerauer gibt es aber noch eine zusätzliche Erschwernis. Sobald man bei der Anmeldung die Postleitzahl 2000 eingegeben hat, werden nur Arztpraxen in der näheren und weiteren Umgebung angeboten, aber keine einzige in Stockerau selbst. Derzeit wird nur von Ärzten in Korneuburg, Gerasdorf, Spillern, Langenzersdorf, Niederhollabrunn und Sierndorf geimpft. Dass es in der größten Stadt in Weinviertel keine Impfmöglichkeit gibt, sorgte auch in der letzten Gemeinderatssitzung für Verwunderung. „Was hat Sierndorf, was Stockerau nicht hat?“, fragte etwa der Grüne Stadtrat Dietmar Pfeiler. Man sei in Kontakt mit Notruf NÖ, der die Impfungen koordiniert, versicherte ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl.

Warum es in Stockerau kein Impfangebot gibt, erklärt Stefan Spielbichler von Notruf NÖ auf NÖN-Anfrage so: „Wir mussten leider eine Auswahl aufgrund bestimmter organisatorischer Kriterien treffen, welche die Impfstellen erfüllen müssen, um mit dem hochsensiblen und logistisch aufwändig zu handhabbaren Impfstoff von Biontech/Pfizer arbeiten zu können.“ Die Ordinationen, welche sich aus Stockerau zurückgemeldet haben (es wurden alle eingeladen), hätten die Kriterien nicht erfüllt, so Spielbichler. „Deswegen mussten wir uns in Absprache mit den Ärztinnen und Ärzten für diese frühe Phase der Impfaktionen entscheiden, den für diese Altersgruppe vorgesehenen Impfstoff in anderen Impfstellen im Bezirk zu verabreichen“, erläutert er.

Anders sehen das die Ärzte: Nicole Györög von der Gemeinschaftspraxis G²K hatte sich sehr wohl um eine Zulassung für diese Impfphase bemüht, weil sie sich sicher war, alle Voraussetzungen erfüllen zu können (Barrierefreiheit, zwei Warteräume für vorher und nachher, Terminflexibilität dank dreier ordinierender Ärzte). Auch Stadtarzt Amir Baradar war sich sicher, den Anforderungen zu entsprechen, kam aber nicht zum Zug. Beiden wurde der Impfstoff von AstraZeneca zugewiesen, der bis auf Weiteres in Österreich nur bis 65 verimpft werden darf. Die über 80-jährigen Stockerauer müssen zum Impfen nun in eine Nachbargemeinde fahren bzw. sich fahren lassen. Zum Beispiel nach Spillern, wo Gabriela Fidler-Straka impft. „Niemand hat sich den Zeitpunkt oder den Impfstoff ausgesucht“, bestätigt sie, „die Zuteilung erfolgte vom Impfkoordinator und nach Verfügbarkeit des Impfstoffes.“ Die Ärzte selbst hatten keinen Einfluss auf die Planung, betont sie. „Ich musste eine Zehn-Stunden-Verfügbarkeit pro Woche zusätzlich zu meiner normalen Ordinationszeit zusichern. Für die nächsten sechs Wochen habe ich 120 bis 150 Impfungen pro Woche“, schildert Fidler-Straka. Für ihre Mitarbeiter bedeutet das eine zusätzliche Belastung.

Impfstraße, sobald es genug Impfstoff gibt

Stadtchefin Völkl will sich nun rasch um eine Verbesserung der Situation bemühen. Auch ihr fehlt das Verständnis für die Zuteilung: „Etwas mehr Sensibilität hätte ich mir von den zuständigen Stellen schon erwartet. Jedenfalls werden wir uns sehr stark machen, dass hier raschest eine Korrektur zugunsten der Stockerauer Bevölkerung stattfindet.“

Das Bürgerservice der Stadt hat für 21 Menschen ohne Internet-Zugang Impftermine reservieren können, aber die Anreise zu den Ordinationen müssen sich diese dann doch selbst organisieren. Sobald es entsprechend viele Impfdosen gibt, werde in Stockerau auch eine Impfstraße eingerichtet, kündigt die Bürgermeisterin an.