Post hat die Lage verkannt. Über den Corona-Cluster im Verteilerzentrum.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:06)

Tagelang lief die Diskussion über den Corona-Cluster rund um das Postverteilerzentrum Hagenbrunn in eine völlig falsche Richtung. Die Frage, wer Patient null war, ist nämlich völlig unerheblich. Bei 300 Mitarbeitern ist es im Rahmen einer Pandemie nicht ungewöhnlich, dass sich eine oder mehrere Personen infizieren. Vielmehr muss die Frage im Mittelpunkt stehen, wie es sein konnte, dass sich mehr als ein Viertel der gesamten Belegschaft mit dem Virus anstecken konnte.

Dass da die Schutzmaßnahmen versagt haben oder es gar keine ausreichenden gegeben hat, liegt angesichts dieser Zahl auf der Hand. Erst Ende April, als ganz Österreich schon über das Ende des Lockdowns diskutierte, soll in dem Postzentrum eine verpflichtende Maskenpflicht eingeführt worden sein.

Die Post versucht jetzt, die Schuld auf das Verhalten der Mitarbeiter in den Pausenräumen oder die Leiharbeitsfirmen abzuwälzen. Ganz offenbar hat sie die Lage aber selbst komplett falsch eingeschätzt.