Anrainer protestieren gegen Verbauung

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:53
Lesezeit: 3 Min
Der Bereich nördlich des Bahnhofs Korneuburg soll langfristig zum „Bahnhofsviertel“ werden. Auch die Kleingärtner zittern.
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Seit Jahren ist die Entwicklung des ÖBB-Areals nördlich des Bahnhofs ein Thema zwischen Politik und ÖBB. Dass das Areal jetzt entsprechend umgewidmet werden soll, rief die Anrainer auf den Plan, die eine Bürgerinitiative gründeten. Sie fürchten um ihre Lebensqualität.

Das Areal umfasst neben ehemaligen Verschubflächen von Gleisanlagen, die nicht mehr benötigt werden, auch eine Kleingartenanlage und das Parkdeck. Aufgrund der zentrumsnahen Lage ortet die Stadt in dem Gebiet ein hohes Entwicklungspotenzial für eine innerstädtische Verdichtung mit Wohnungen, Geschäften und Büros.

Rund 150 bis 200 Wohnungen könnten langfristig auf dem Areal entstehen, darunter auch sozialer Wohnbau und Genossenschaftswohnungen. Eine Bebauungsstudie für das ÖBB-Areal inklusive der angrenzenden Kleingärten wurde bereits erstellt, wobei ÖVP-Bürgermeister Christian Gepp betont: „Bei der derzeitigen Umwidmung geht es nur um die Flächen der ÖBB. Da sind nur zwei Kleingärten dabei.“

Jetzt werden die letzten freien Flächen auch noch versiegelt.“
Franz Prandtstetter, Bürgerinitiative

Vorgesehen ist eine geschlossene Bebauung – als Lärmschutz vor der Bahn. Am südlichen Ende des neuen Bahnhofsviertels ist die Errichtung eines Gebäudekomplexes mit einem Hotel, Appartements, Büros und einem Nahversorger geplant. Die P&R-Anlage soll vergrößert werden.

Bei den Anrainer gehen die Wogen hoch. Nicht nur das Projekt an sich steht in der Kritik, sondern auch die Informationspolitik der Stadt. „Wir haben eine Postwurfsendung mit Weihnachtswünschen bekommen, wo auf der Hinterseite die 22. Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans kundgemacht war“, erzählt Anrainer Franz Prandtstetter, „die meisten haben das gar nicht gesehen.“

70 Anrainer, davon rund 50 Kleingärtner, haben sich jetzt zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um dem Gemeinderat ihre „Bedenken“ mitzuteilen. Sie fürchten, dass Korneuburg durch die weitere Flächenversiegelung zu einer „Satelliten- und Schlafstadt“ wird. Der Unmut sei groß, erzählt Prandtstetter, die Bürger würden sich von der Stadtgemeinde übergangen fühlen, weil sie in die Pläne nicht eingebunden waren. Vor allem die Kleingärtner sind in Aufruhr. „Ihnen wurde angeboten, auf andere Grundstücke hinter dem Friedhof zu übersiedeln“, erzählt der Anrainer. Vor allem älteren Leuten fehlen nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch die Kraft, etwas Neues aufzubauen, gibt er zu denken.

Ein Gespräch zwischen Stadtgemeinde und Bürgerinitiative findet diesen Dienstag (nach Redaktionsschluss) statt. „Noch ist nichts fix“, beschwichtigt ÖVP-Bürgermeister Christian Gepp im NÖN-Gespräch, „in den nächsten Jahren wird sich vorerst nichts ändern.“ Die Kleingärten seien aktuell nicht betroffen, sie würden erst bei der Aufschließung Thema sein. In jedem Fall würden die Grundeigentümer in die Umwidmung eingebunden, verspricht Gepp.

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