Flüchtlingshilfe wird zum Polit-Zankapfel. SP-Stadträtin unterstützt auf eigene Faust die Jugendlichen im Landesjugendheim Korneuburg und erntet viel Kritik von der ÖVP.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 06. Mai 2015 (05:50)
NOEN, NÖN
Haider-Wittmann (SPÖ): »Scheinbar darf man nichts Gutes machen.«
Zu einem verbalen Schlagabtausch über die Hilfe für die sechs unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge im Landesjugendheim ist es in der letzten Gemeinderatssitzung zwischen ÖVP und SPÖ gekommen.

Auslöser war das Bemühen von Stadträtin Bernadette Haider-Wittmann, über Vereine Beschäftigungsmöglichkeiten für die Jugendlichen zu organisieren ( die NÖN berichtete ).

Vorwürfe des persönlichen Kontakts: „Frechheit“

„Es wurden etliche Sportvereine genannt, das hätte ich gerne nicht aus der Zeitung erfahren“, kritisierte Sportgemeinderätin Sabine Fuchs-Tröger. Für VP-Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser (Foto unten) „riecht das nach dem Versuch, parteipolitisches Kleingeld zu machen.“



Um sämtliche Hilfsangebote besser koordinieren zu können, kündigte sie deshalb ein Treffen für diese Woche an. „Künftig soll alles bei der Gemeinde zusammenlaufen“, so Fuchs-Moser.

Als „Frechheit“ wies Haider-Wittmann die Vorwürfe zurück, sie stehe mit einem der Flüchtlinge in persönlichem Kontakt und habe auch schon Spenden vorbeigebracht. „Dabei ist in keinster Weise das Wort SPÖ gefallen. Scheinbar darf man nichts Gutes in der Stadt machen“, reagierte die SP-Stadträtin verärgert.

„Das riecht nach dem Versuch, parteipolitisches
Kleingeld aus der Flüchtlingshilfe zu machen.“
VP-Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser

Kontakte mit Vereinen habe sie aufgenommen, weil sich die Flüchtlinge manchmal einsam fühlen. „Alles gute Ideen. Aber wer bringt sie hin und wer holt sie ab? Da gehört mehr dazu“, gab die VP-Vizebürgermeisterin zu bedenken. Sie habe alles mit dem Landesjugendheim abgeklärt, wehrte sich Haider-Wittmann, „ich sehe es nicht als Fehler, dass ich mich nicht mit der Gemeinde abgesprochen habe.“

Rückendeckung bekam die SP-Politikerin von Grüne-Stadträtin Elisabeth Kerschbaum und ihrem Parteikollegen Vizebürgermeister Thomas Pfaffl, der die Aufregung nicht verstand: „Da engagiert sich jemand und wird dann so angegriffen.“

Klargestellt wurde im Gemeinderat auch, dass das Gerücht, es würden weitere zehn bis zwölf Flüchtlinge ins Landesjugendheim einziehen, nicht stimmt. Das bestätigt auch der stv. Heimdirektor Karl Kleemaier: „Derzeit ist sicher nichts geplant.“

Direktorin Susanne Sellnar kann sich auch nur eine Maximalzahl von zehn Flüchtlingen vorstellen, „und das in langsamen Schritten“, betont sie. Einer der Flüchtlinge aus Afghanistan ist mittlerweile zu Verwandten in die Schweiz weitergereist, dafür ist ein 12-jähriger Bursche aus Syrien nachgerückt.