Kaiserhaus: Ein Jahr Frist bis zur letzten „Sperrstund“. Wiener Firma kauft historisches Bürgerhaus. Beliebtes Szenelokal „Vis a Vis“ muss spätestens am 30. Juni 2020 ausziehen.

Von Bernhard Preineder. Erstellt am 09. August 2019 (06:03)
Preineder
Das „Kaiserhaus“ hat einen neuen Eigentümer. Über die Verwertung gibt es derzeit nur Gerüchte.

Früher hieß das Szenelokal „Tom’s“, später dann „Vis a Vis“. In einem Jahr könnte man es aber durchaus auch „Sperrstunde“ nennen, denn das sogenannte Kaiserhaus am Hauptplatz 22 hat einen neuen Eigentümer und damit wurde auch das Schicksal des Lokals besiegelt.

Andrea Helfenschneider führt seit einigen Jahren das „Vis a Vis“. „Uns wurde schon mit einer Räumungsklage gedroht“, erklärte sie im NÖN-Gespräch. Die neuen Eigentümer zeigten sich nun zwar verständnisvoll und setzten ihr eine Frist von einem Jahr, exakt am 30. Juni 2020 ist aber endgültig Schluss. Bis dahin bleibt ihr Zeit, ein Ersatzlokal zu finden. Denn eines ist für Helfenschneider sicher: „Ich möchte auf jeden Fall in dieser Branche weiter tätig bleiben.“

Käufer ist die „KOR 22 Immobilien GmbH“ mit Sitz in 1010 Wien, Schottenbastei 4/7. Dort hieß es, dass der Ankauf noch nicht so lange her sei und man selbst noch über das weitere Prozedere nachdenken müsse. Mehr könne man erst nächste Woche erfahren, wenn die maßgeblichen Personen wieder erreichbar sein werden. Jedenfalls hat die Stadtgemeinde hier keine Parteienstellung: „Es handelt sich um einen Verkauf von einem Privaten an einen Privaten“, klärt VP-Stadtrat Andreas Minnich auf.

Das Kaiserhaus mit gotischem Wappenrelief wurde um 1500 herum errichtet. Wie fast alle Bürgerhäuser rund um den Hauptplatz steht auch dieses unter Denkmalschutz. Sprich: Die Fassade darf zwar saniert, aber in ihrem Erscheinungsbild nicht verändert werden. Welche genauen Pläne der Käufer hat, ist bis dato unbekannt. Laut Gerüchten seitens der Stadt und auch von Helfenschneider sollen die hinteren Räumlichkeiten aber als Wohnungen genutzt werden. Ob und welche Geschäfte – neben dem Vis a Vis ist auch die Firma Delka betroffen – hier einziehen werden, ist noch offen.