Grundwassersanierung: Gieß-Freigabe im nächsten Jahr. Obwohl große Teile der Stadt pestizidfrei sind, geben sich Behörde und EVN noch abwartend.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 16. August 2018 (04:00)
Die aktuelle Karte zeigt es: Große Teile des Stadtgebietes (grüne Punkte) sind bereits frei von Pflanzenschutzmitteln.
BH Korneuburg

Vor sieben Jahren erschütterte der Grundwasser-Skandal die Stadt. Über Jahre hinweg waren Pestizide durch ein leckes Abwassersystem beim Pflanzenschutzmittelerzeuger Kwizda ins Grundwasser gelangt. Sechs Jahre dauert die Sanierung des Grundwasserkörpers nun schon an. Der Großteil wird über Aktivkohlefilter-Anlagen gereinigt, der Rest in der Donau entsorgt.

„Mittlerweile haben wir das Grundwasser in dem Bereich etwa vier Mal ausgetauscht“, berichtet Werner Wruss, der die Sanierung seit Beginn leitet. Mit dem Ergebnis, dass ein großer Bereich des verbauten Gebietes mittlerweile als saniert gibt. Die Schadstoffwerte liegen dort unter dem Vorsorgegrenzwert für Trinkwasser. „Es läuft sehr gut“, ist Bezirkshauptfrau Waltraud Müllner-Toifl mit dem Verlauf zufrieden, „im Stadtgebiet haben wir fast nur noch grüne Punkte“, verweist sie auf die aktuelle Monitoring-Karte.

„Die Sanierung ist weit fortgeschritten. Große Teile werden bis Ende des Jahres pflanzenschutzmittelfrei sein.“Werner Wruss

Dennoch wurde das Grundwasser noch nicht offiziell freigegeben. „Die Frage ist, ob die Werte schon so stabil sind“, ist die BH-Chefin vorsichtig, „wir warten bis zum nächsten Jahr ab. Grundsätzlich kann aber jeder selbst entscheiden.“

Firma Kwizda zahlt Entschädigung

Die Firma Kwizda zahlt betroffenen Grundstücksbesitzern, die auf ihr Grundwasser beim Gießen verzichten müssen, auch heuer eine Entschädigung. Einzelne Bürger nutzen das Grundwasser aber wieder zum Gießen von Tomaten, die bekanntlich auf das Pflanzenschutzmittel Clopyralid im Wasser reagiert hatten. Erst so wurde die Verunreinigung überhaupt bekannt. „Es sind keine Effekte mehr sichtbar“, ist Wruss erleichtert.

Auch der Bereich des Brunnenfeldes Bisamberg, das von der EVN im Jahr 2012 aufgrund der Verunreinigung stillgelegt worden war, ist bereits sauber. Dennoch will es die EVN vorerst nicht verwenden, wie Sprecher Stefan Zach erläutert. „Wir sind in Gesprächen mit der Behörde, wie wir es künftig einsetzen können und wollen“, erklärt er den Status quo. „Wir haben keine Eile, weil das Brunnenfeld Bisamberg immer nur zur Spitzenlastabdeckung verwendet wurde“, ergänzt er. Derzeit wolle man noch kein Risiko eingehen, so Zach.

68 Kilogramm Clopyralid entfernt

Rund 68 Kilogramm Clopyralid wurden seit Beginn der Sanierung aus dem Grundwasser entfernt, über 70 Prozent davon über Aktivkohle, der Rest wurde in die Donau eingeleitet. Wruss schätzt, dass sich noch 1,5 Kilo des Pflanzenschutzmittels im Grundwasser befinden.

Die höchsten Konzentrationen findet man noch am Werksgelände, bei der Brunnenreihe Fetter, im Bereich der Firma Flaga und beim Tierspital. Derzeit werden pro Monat rund 50 Gramm Clopyralid entfernt. Der Bereich beim Tierspital galt lange Zeit als Sorgenkind. Aber auch dort sind die Werte nach Verlegung einer Filteranlage deutlich gesunken.