Falsche Leiche eingeäschert. Ein Bestatter aus dem Bezirk Korneuburg hat die falsche Leiche aus dem Landesklinikum Mistelbach abgeholt und einäschern lassen.

Von Michael Pfabigan und Michaela Höberth. Update am 19. November 2020 (16:19)
Die Urne wurde beigesetzt
APA

„Es ist etwas passiert, das nicht passieren darf“: Pater Hermann Jedinger brachte es bei der Verabschiedung der Toten kurz und knapp auf den Punkt: Statt von der Angehörigen im Sarg verabschiedete sich eine Familie von ihrer Urne.

Denn ein Bestatter aus dem Bezirk Korneuburg hatte im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf den falschen Körper zur Kremierung abgeholt. Als dann Mistelbachs Bestatter Leopold Johann die verstorbene Person am Tag vor dem Begräbnis abholen wollte, war sie nicht mehr da. „Dafür war aber eine andere Person da, die schon längst weg sein hätte sollen“, sagt Rainer Wernhart von der Bestatter-Innung der Wirtschaftskammer.

 „Das Vier-Augen-Prinzip hat in diesem Fall versagt. In diesem Fall wurde der falsche Körper in den Sarg gelegt und dann wurde noch schlampig kontrolliert.“ Rainer Wernhart, Sprecher Bestatter-Innung

Was war passiert: Beide Körper waren bis zur Abholung durch den Bestatter in der Pathologie des Landesklinikums Mistelbach. Der Bestatter stellt dann den Sarg in den (nicht öffentlich zugänglichen) Lift der Patho und schickt ihn in die Abteilung. Das Landesklinikum betreten dürfen die Bestatter aus Covid-19-Gründen nicht. In der Pathologie wird der Körper dann in den Sarg gelegt und mit dem Lift wieder zum Bestatter geschickt.

 „Jeder Leichnam hat einen Hand- oder Fußzettel mit seinen Daten. Die müssen die Prosekturgehilfen in der Patho und die Bestatter bei der Übernahme des Körpers kontrollieren“, sagt Wernhart: „Dieses Vier-Augen-Prinzip hat in diesem Fall versagt.“ Und: „In diesem Fall wurde der falsche Körper in den Sarg gelegt und dann wurde noch schlampig kontrolliert.“ Das sei etwas, was nicht passieren dürfe. Mit dem betreffenden Bestatter werde jetzt ein ernstes Wort geredet, eine derartige Verwechslung durch Schlampigkeit dürfe nicht vorkommen.

Mistelbachs Bestatter Leopold Johann kontaktierte sofort nach dem Entdecken der Verwechslung die Familie und  bot psychologische Hilfe an. Pater Hermann Jedinger sprach mit der Familie, die sich am Tag darauf nur noch von der Urne der Verstorbenen verabschieden konnte. „Um noch mehr Sicherheit zu gewährleisten, soll es ab sofort ein Acht-Augenprinzip mit genauer Übergabe-Checkliste und Bestätigung der richtigen Ausfolgung durch die Unterschriften von zwei Mitarbeitern des Landesklinikums und zwei Mitarbeitern der Bestattungsfirmen geben“, heißt es aus dem Landesklinikum Mistelbach: „Das Landesklinikum bedauert diesen Vorfall aufs Äußerste und spricht den Hinterbliebenen Beileid aus.“