Robert Manhart tritt zurück: „Lasse mich nicht impfen“

Erstellt am 26. Januar 2022 | 05:59
Lesezeit: 3 Min
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Mit einem mRNA-Impfstoff will sich Robert Manhart keinesfalls impfen lassen. Eine Rückkehr unter geänderten Rahmenbedingungen lässt er offen.
Foto: NÖN/Archiv
Korneuburger SPÖ-Gemeinderat und Fraktionsobmann Robert Manhart zieht Konsequenz: Gemeindearbeit als Ungeimpfter „zu mühsam“.
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Überraschend hat SPÖ-Fraktionsobmann Robert Manhart letzte Woche seinen Rücktritt als Gemeinderat bekannt gegeben. Zwei Gründe haben ihn zu dem Schritt bewogen: Er ist nicht geimpft, weswegen sich die Gemeindearbeit zusehends schwieriger gestaltete. Und auch die Linie der Bundes-SPÖ in Sachen Impfplicht wollte er nicht länger mittragen.

Sein Rücktritt sei eine rein persönliche Entscheidung und habe nichts mit der Korneuburger SPÖ zu tun, stellt er im NÖN-Gespräch klar. „Es tut mir leid um das tolle Team. Streitigkeiten hat es bei uns nicht gegeben“, schickt er voraus.

Man hätte ihn auch zum Bleiben überreden wollen, doch Manhart zog die Reißleine. Als Ungeimpfter gelte für ihn seit zwei Monaten ein Lockdown. Das sei mit seiner Funktion als Fraktionsobmann nicht vereinbar, ist er realistisch: „Die Arbeit ist dadurch sehr mühsam geworden, ich kann ja nirgends mehr hingehen.“

„Ich bin seit zwei Monaten im Lockdown. Das macht die Arbeit als Fraktionsobmann sehr mühsam.“
Robert Manhart, scheidender SPÖ-Gemeinderat

Die Impfung gegen Covid-19 kam für ihn dennoch nicht in Frage, jedenfalls nicht mit einem mRNA-Impfstoff. „Vielleicht mit einem Totimpfstoff“, will er sich diese Entscheidung noch offenlassen. Allerdings gibt es noch einen weiteren Grund, warum Manhart der Politik den Rücken kehrt.

„Ich habe ein massives Problem mit der Bundes-SPÖ bei diesem Thema“, gesteht er. Die Position zu den Themen Impflicht und 2G-Regel wolle er nicht mittragen. Und er sei innerhalb der bundesweiten SPÖ-Organisation längst nicht der Einzige, der so denkt, erzählt er. „Das geht gar nicht und damit kann ich mich nicht identifizieren“, stellt er klar. Eine Rückkehr in die Gemeindepolitik, falls sich die Rahmenbedingungen ändern, ließ er auf NÖN-Anfrage offen. Manhart war seit dem Frühjahr 2020 SPÖ-Fraktionsobmann. Er hatte damals Martin Peterl abgelöst.

Für seine Korneuburger SPÖ-Kollegen kam der Abschied nicht ganz unerwartet. „Es gab schon im Herbst Gespräche, da hat er schon klar gemacht, dass er sich nicht impfen lässt“, erzählt SPÖ-Stadtrat Martin Peterl. Er wird Manhart als Fraktionsobmann nachfolgen und wurde in der Fraktionssitzung bereits wiedergewählt. „Ich verstehe und akzeptiere seine Entscheidung, aber es tut mir total leid. Er war ein Politiker mit Gespür und der Mann an der Basis“, trauert Peterl seinem „Parteikollegen, der zum Freund geworden ist“ nach. Manhart sei ein Opfer des „gesellschaftlichen Auseinanderdriftens“ geworden, bedauert Peterl.

Manharts Sitz im Gemeinderat wird Stefan Tmej übernehmen.

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