Tierklinik arbeitet mit Zellen zur Selbstheilung. Die Tierklinik Korneuburg bietet bei Hunden mit Gelenkproblemen eine neuartige Therapie an.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 30. Mai 2019 (05:17)
Löwenstein
Tierarzt Karl Grohmann von der Tierklinik Korneuburg ist federführend bei der Stammzellentherapie. 50 Patienten konnte er mit der neuen Methode schon helfen.

Die Tierklinik Korneuburg ist federführend bei der Stammzellentherapie. „Wir waren eine der ersten in Österreich, die diese Methode angeboten haben“, erzählt Tierarzt Karl Grohmann. Zum Einsatz kommt die Therapie vor allem bei Gelenkerkrankungen, an der bis zu 80 Prozent der großen Hunde leiden. Bisher gab es nur die Möglichkeit, das Leiden durch Operationen, physikalische Therapien oder Schmerzmittel zu lindern. Seit fünf Jahren bietet die Klinik nun schon die Behandlung mit Stammzellen an, die im Idealfall zur vollständigen Genesung bzw. Beschwerdefreiheit führt.

Über 50 Patienten wurde in Korneuburg mittlerweile erfolgreich mit der Methode behandelt. Zunutze macht man sich dabei die Fähigkeit von Stammzellen, Reparaturarbeit zu leisten. Die Zellen werden aus einem daumengroßen Stück Fettgewebe entnommen.

„Ich finde es unglaublich, dass es uns gelungen ist, das Fortschreiten einer bis jetzt unheilbaren Krankheit zu stoppen.“ Karl Grohmann, Tierarzt

Die so gewonnenen rund 500 bis 1.000 Stammzellen werden anschließend im Labor isoliert und in einer Zellenkultur auf rund drei Millionen Zellen vermehrt. Rund 14 Tage später werden sie in die erkrankte Stelle injiziert und können dort ihre entzündungshemmende Arbeit tun. Die ersten Effekte sind zumeist nach zwei Monaten feststellbar, „nach acht bis zwölf Monaten entfalten sie ihre volle Wirkung“, erklärt der Tierarzt. Während ein Teil der Zellen zur Behandlung eingesetzt wird, verbleibt der Rest im Labor und wird dort konserviert. „Die Zellen können also bei Bedarf nachbestellt werden“, veranschaulicht Grohmann. „Das Verfahren ist sehr einfach und die Therapie hat keine Nebenwirkung“, streicht er den Vorteil der Behandlungsform hervor.

Angewandt wird die Therapie in erster Linie an Hunden, aber auch an Katzen und Pferden. Fehlbelastungen, Übergewicht oder Fehlstellungen führen oftmals zu Arthrosen. Vor allem einige Hunderassen sind betroffen. Je jünger der Hund, umso vielversprechender sei die Stammzellentherapie, sagt Grohmann. „Weil die Zellen noch ein anderes Potenzial haben“, begründet er. In 98 Prozent der Fälle trete eine Verbesserung ein. So wie bei Cocker Spaniel Ilias, der trotz seiner erst fünf Jahre plötzlich zu humpeln begann und nicht mehr länger gehen wollte. Der Grund war ein deformierter Knochen im Oberarm und Arthrose in den Ellbogen. Zwei Monate nach der erfolgten Stammzellentherapie setzte die entzündungshemmende Wirkung ein. Ilias wollte wieder länger spazieren gehen und zeigte wieder mehr Lebensfreude. Seit einem Jahr geht es dem Spaniel schon deutlich besser.

Billig ist die Behandlung nicht. „Für ein Gelenk muss man für die komplette Behandlung mit Kosten ab 1.600 Euro rechnen“, so der Tierarzt. 600 tierischen Patienten wurde europaweit mit der Therapieform schon geholfen. „Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir die meisten Therapien gemacht hat“, erzählt Grohmann über die Vorreiterrolle der Tierklinik Korneuburg.