Zweite Chance für das Essen. Statt sich nur nach Mindesthaltbarkeitsdatum zu richten, sollten Konsumenten Geruchssinn nutzen.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:13)
440_0008_8100938_kor24daruebergross.jpg
Die freiwilligen Helfer Florian Pitzer und Hansjörg Grossberger bringen regelmäßig Nachschub an Lebensmitteln für den soogut-Markt in Stockerau.
privat/Hrabak, privat/Hrabak

Essen soll nicht weggeworfen werden. Zwei Sozialvereine kümmern sich im Bezirk darum, dass möglichst viele der Supermarktwaren verwendet werden. Trotzdem landet noch immer vieles im Müll.

2.200 Menschen mit Lebensmitteln versorgt

„Das Bewusstsein der Firmen, Lebensmittel weiterzugeben, ist schon sehr groß“, sagt Gerwald Herz. Er ist dafür zuständig, dass die Waren, die von Supermärkten abgegeben werden, im soogut-Markt in Stockerau landen. Mittlerweile hat man fixe Kooperationsverträge mit allen Handelsketten. Lebensmittel, die nicht mehr in den Verkauf kommen, werden gesammelt und nach einem genauen Plan an fixen Tagen abgeholt. Rund 100 Tonnen an Lebensmitteln wurden im Jahr 2020 abgeholt und etwa 2.200 Menschen damit versorgt.

Mengen an Brot und Gebäck schockieren

Dabei unterliegt man auch Schwankungen: „Zu Beginn des ersten Lockdowns wurde gehamstert und für uns blieb kaum etwas übrig“, so Herz. Je nach Lebensmittelgruppe ist die Menge, die es für die soogut-Märkte gibt, allerdings unterschiedlich. „Es ist schockierend, welche Mengen an Brot und Gebäck wir erhalten“, sagt Herz. Manchmal finde man nicht genug Abnehmer. Anders sehe es bei Fleisch und Fleischprodukten aus, da sei der Nachschub deutlich schwächer.

Zwischen ein und drei Ladungen eines Kleintransporters werden vom Sozialgreißler in Korneuburg bei insgesamt zehn Supermarktfilialen täglich abgeholt. Von der Menge her reicht das zur Versorgung der rund 1.500 registrierten Kunden, so Betreiberin Doris Pamminger. Allerdings variieren die Mengen manchmal sehr stark, etwa rund um Feiertage. „Insgesamt geht es sich mit dem Angebot im Geschäft gut aus“, so Pamminger.

Fleisch und Wurstwaren werden vernichtet

Gelegentlich gibt es aber auch Wünsche der Kunden. So werden Konserven oder eingelegte Lebensmittel wie Gurkerln oft nachgefragt. Wegen der langen Haltbarkeit gelangen diese Produkte aber seltener zum Sozialgreißler. Auch Fleisch und Wurstwaren sind manchmal nicht ausreichend vorhanden, weil manche Supermärkte diese nach dem Ablaufdatum trotz Haftungsausschlüssen aus Sicherheitsgründen vernichten. Beanstandungen gebe es so gut wie keine. „Es geht nichts ins Geschäft, das wir nicht selbst verzehren würden“, versichert Pamminger.

Erst schnuppern

Beim Abfallverband Korneuburg wird analysiert, was sich in den Mülltonnen befindet, erklärt der Obmann und ÖVP-Bürgermeister von Bisamberg, Günter Trettenhahn. Da zeige sich, das Lebensmittel zu früh weggeworfen werden. „Leider wird von vielen Menschen das Ablaufdatum mit der Haltbarkeit gleichgesetzt“, so Trettenhahn. Man müsse nicht alles Essen gleich wegwerfen. „Wir haben schließlich über die Nase eine sehr gute Sensorik, um die Frische erkennen zu können“, erinnert er.

Diese Meinung teilt der Geschäftsführer des Abfallverbandes, Gerhard Münzker. Denn: „Im Restmüll finden sich insgesamt rund 17 Prozent biogene Abfälle.“ Speisereste machen im Restmüll sechs Prozent aus, angebrochene Lebensmittel sogar acht Prozent. Drei Prozent der Gesamtmenge machen originalverpackte Lebensmittel aus.

Umfrage beendet

  • Habt ihr das Gefühl, dass ihr zu viele Lebensmittel wegwerft?