Prozess: 15 Rumäninnen in Bordell gebracht. Am Landesgericht Korneuburg hat sich am Dienstag ein Schöffensenat mit grenzüberschreitendem Prostitutionshandel befasst.

Erstellt am 20. September 2016 (11:51)
NOEN, APA
Landesgericht Korneuburg

Einem 28-Jährigen und seiner Lebensgefährtin (33) wurde vorgeworfen, von 2011 bis 2015 insgesamt 15 Rumäninnen aus ihrer Heimat in das tschechische Bordell des Angeklagten gebracht zu haben. Die beiden waren nach Verteidigerangaben teilgeständig.

Wie die Staatsanwältin ausführte, hatte der gebürtige Oberösterreicher das Etablissement bis zu seiner Festnahme Ende des Vorjahres als Geschäftsführer geleitet. Die 33-Jährige hatte früher als Prostituierte und dann seit ihrer Beziehung zum 28-Jährigen als Bardame gearbeitet. Die Rumäninnen seien mit der vorgetäuschten Aussicht auf Jobs in Österreich - etwa als Putzfrauen - angeworben worden. Die Angeklagten hätten deren Reise organisiert. Nach der Ankunft wurden den Mädchen teilweise die Pässe abgenommen und ihnen "unmissverständlich" klar gemacht, welcher Art ihre Tätigkeit sein werde, mit der sie ihre Schulden u.a. für die Flugtickets nach Schwechat und Vermittlungsprovision abarbeiten müssten.

Niemand lasse Putzfrauen einfliegen

Es sage einem schon der Hausverstand, dass niemand eine Putzfrau einfliegen lasse, meinte der Verteidiger. So naiv seien auch Rumäninnen nicht - die Frauen hätten also gewusst, was sie erwartet. Sein Mandant habe das "Geschäft" mittlerweile aufgegeben und sei nun im Fahrzeughandel tätig. Die angeklagte Rumänin ließ via Dolmetscherin wissen, dass nur in vier Fällen die Kontakte über sie gelaufen seien.

"Wie kommt man auf die Idee, mit 23 ein Bordell in Tschechien zu eröffnen?", fragte die Richterin. "Es hat sich so ergeben", erzählte der Angeklagte, dass er von einem Bekannten erfahren hatte, dass in Tschechien nahe der oberösterreichischen Grenze ein Nachtklub - ein Casino mit Spielautomaten - zu verkaufen war. Sein Vater habe das Lokal veräußert, als er in U-Haft war. Er wolle mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben. Heute arbeite er neben dem Fahrzeughandel auch in der elterlichen Land- und Forstwirtschaft mit. Er sehe ein, dass nicht alles ganz korrekt abgelaufen war, räumte der 28-Jährige ein.

Dass der Bordellbetreiber Taxifahrer nach Wien schickte, um die "Damen" vom Flughafen abzuholen, sah er als "Hilfeleistung". "Eine neue Frau steigert wohl den Umsatz", wollte die Richterin die Geschäftspraktiken ergründen. Die Fahrtkosten trug der Chef. Die quasi vorfinanzierten Beträge seien aufgeschrieben und addiert worden und mussten, wie er zugab, abgearbeitet werden. Das sei "branchenüblich" - ihm persönlich wäre lieber gewesen, wenn die Mädchen keine Schulden bei ihm gehabt hätten. Aber je mehr Kunden eine Dame habe, desto schneller könne sie das Geld zurückzahlen, erläuterte er.