Radfahrer als Risiko - Konflikt am Bisamberg. Sportler sorgen für Unmut bei Wanderern. Nicht nur Mensch, auch Wild ist gefährdet.

Von Bernhard Preineder. Erstellt am 17. Juni 2020 (04:38)
Bürger- und Bezirksjägermeister Andreas Arbesser appelliert an die Mountainbike-Fahrer, bestehende Fahrverbote zu beachten.
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Andreas Arbesser (ÖVP) ist nicht nur Bürgermeister von Langenzersdorf, er ist auch Bezirksjägermeister. In beiden Eigenschaften ist es ihm ein Anliegen, die Natur, aber auch die Wanderer am Bisamberg zu schützen. Immer wieder kam es in letzter Zeit aber zu teils gefährlichen Begegnungen zwischen Wanderern und Mountainbikern. Insbesondere der Nord-Wiener-Steig, der Czaskaweg und andere sehr schmale Wanderwege wurden rücksichtslos, vor allem bergab, befahren. „Das sind beliebte Wanderwege, die gerne von Familien mit kleinen Kindern begangen werden“, schüttelt Arbesser den Kopf.

Jetzt reagiert die Hanakgemeinde. Der Familienausschuss wird sich mit dieser Problematik eingehend beschäftigen und weitere Maßnahmen zum Schutz der Wanderer ausarbeiten. „Oftmals können sich Fußgänger nur durch rasches Ausweichen in letzter Sekunde in Sicherheit bringen; das betrifft insbesondere Kinder. Dieses illegale Benutzen der Wege stellt ein hohes Gefährdungspotenzial dar“, appelliert er an die Mountainbike-Fahrer, die bestehende Fahrverbote zu beachten.

„Dieses illegale Benutzen der Wege stellt ein hohes Gefährdungspotenzial dar.“ Bürgermeister und Bezirksjägermeister Andreas Arbesser

In der Nachbargemeinde Bisamberg vermerkt man hingegen kein besonderes Anschwellen von Beschwerden. „Es gibt wie überall auch hier immer welche, die sich nicht an die Regeln halten, das ist aber eher die Ausnahme“, stellte Bürgermeister Günter Trettenhahn klar. Von Verboten hält er nichts: „Die sind kontraproduktiv und erzeugen einen Jetzt-Erst-Jetzt-Standpunkt.“ Vielmehr setzt er auf gegenseitige Rücksichtnahme. Dennoch gibt es für ihn eine Grenze: „Das Querfeldein-Fahren ist ein absolutes No-Go.“

Erst vergangene Woche verunfallte ein Mountainbiker und musste per Helikopter ins Spital geflogen werden (die NÖN berichtete). Angeblich wäre er bei einem Sprung über eine eigens dafür gebaute Rampe verletzt worden. „Ich weiß nicht genau, wie schwer sich der junge Mann verletzt hat, aber es dürfte, wenn sogar der Hubschrauber kommen musste, wohl mehr gewesen sein, als nur aufgeschürfte Knie“, vermutet Trettenhahn.

„Die wissen ja oft nicht einmal, wie gefährlich das ist“, meint Renate Knorr, die vor Jahren ein privates Unternehmen am Bisamberg leitete und deshalb die Situation sehr genau kennt: „Wenn die Mountainbiker auf eine Bache treffen – die bringt sie um!“ Sie selbst wurde auch schon einmal zum Opfer eines Radfahrers: „Dabei habe ich mir die Hand gebrochen.“

„Aber nicht nur Menschen sind gefährdet, durch die illegalen Strecken verliert auch das Wild wie Reh, Wildschwein, Hase und Fuchs seine letzten Ruhegebiete“, erinnert Arbesser in seiner Eigenschaft als Bezirksjägermeister.