Christoph Baumgärtel kehrt SPÖ den Rücken. Am Dienstagabend gab er es bekannt: Der Langenzersdorfer Christoph Baumgärtel tritt aus der SPÖ aus.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 11. Dezember 2019 (08:30)
Nicht mehr bei der SPÖ: Christoph Baumgärtel
Preineder

Über Facebook verkündete er seinen Rücktritt und sparte dabei nicht mit Kritik an der SPÖ: „Diese Partei, die es in den letzten Monaten und Jahren massiv verabsäumt hat, Profil, Ecken und Kanten zu zeigen, nicht in der Lage war, eine vernünftige Oppositionsarbeit zu machen, und auch nach dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der Sozialdemokratie nicht gewillt ist, ihren Kurs zu ändern, ist keine Option mehr“, stellt er fest. 

Besonders stört Baumgärtel, dass sein Kurs in Langenzersdorf öffentliche Kritik von der SPÖ, auch auf Bundesebene, erfahren hat. Vor den Nationalratswahlen 2019 wurde ein Funktionsverbot über Baumgärtel verhängt; in einem Facebook-Posting im August hatte er die FPÖ selbst für den Brandanschlag gegen die FPÖ-Landesgeschäftsstelle in St. Pölten verantwortlich gemacht. „Haben schon die Nazis so gemacht: Zuerst selbst den Justizpalast angezündet und dann „Feuer“ geschrien“, war auf der Facebookseite der SPÖ Langenzersdorf zu lesen. 

Kaum war das Funktionsverbot aufgehoben, folgte der nächste Eklat: Nach dem Fünffachmord in Kitzbühel Anfang Oktober erntete die SPÖ Langenzersdorf einen Shitstorm. Mit den Hashtags „#Einzelfall“ und „#nächsterFPÖAmoklauf“ wurde behauptet, dass der Tatverdächtige ein FPÖ-Politiker gewesen sei, zudem hätte er Worte wie „Nigga“ verwendet und wäre 220 km/h auf Autobahnen gefahren. Das Posting wurde noch am selben Abend gelöscht, die Ortspartei entschuldigte sich für „allfällige Missverständnisse“.

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker sprach damals vom „absoluten Tiefpunkt, den bisher je eine demokratisch gewählte Partei in Österreich erreicht hat“. Für Baumgärtel stand der Parteiausschluss im Raum.

Nun zieht er selbst einen Schlussstrich: „Dass nun sogar mein Team von der eigenen (!) Bundespartei attackiert wird, offenbar weil unsere Facebookseite zur größten, erfolgreichsten Social-Media-Seite einer roten Gemeindeorganisation in NÖ und wohl auch Österreichs geworden ist und man den LE-Kurs, der stets eine aufrechte und pointierte Oppositionsrolle nicht nur eingefordert, sondern auch stets konsequent gelebt hat, nun von der eigenen Bundespartei nicht nur nicht mitgetragen, sondern sogar boykottiert und verraten hat, ist eine Schande.“

Und er ruft einen Appell aus: „Ich wünsche der Sozialdemokratie eine Rückbesinnung auf die alten Werte und vor allem neuen Mut und Stärke. Ihr werdet sie brauchen. Lasst euch nie durch bequem gewordenen Apparatschiks, Wohlstandbewahrer, Luxusuhrenträger und Dreifachfunktionäre aufhalten. Fegt sie weg! Ihr sei die Sozialdemokratie, nicht die!“ 

Wie Baumgärtel seinen Parteiaustritt begründet, wie und ob es für ihn politisch weitergehen wird und was die SPÖ zu alldem sagt, lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Korneuburger NÖN.