Nahrungsmittelhandwerk: Hilferuf der „Kleinen“. Die großen Supermärkte stünden seit der Coronakrise im Vordergrund, kritisiert Fleischermeister Dormayer.

Von Veronika Löwenstein, Bernhard Preineder und Josef Christelli. Erstellt am 01. April 2020 (05:42)
Seniorchef Franz und Juniorchef Markus Dormayermachen auf die Situation des Lebensmittelhandwerks aufmerksam.
Meisterstrasse/Lisa Resatz

Derzeit drehe sich alles um den Lebensmitteleinzelhandel, der von drei Konzernen dominiert wird, kritisiert Franz Dormayer, Seniorchef der gleichnamigen Fleischerei in Langenzersdorf.

Die kleinen Greißler, die Bäckereien und die Fleischer-Fachgeschäfte würden viel zu wenig Beachtung finden, mokiert er sich: „Sogar das Bundesheer muss herhalten, um die Regale in den großen Lebensmittelketten zu schlichten. Auch wir öffnen unsere Geschäfte weiterhin und versorgen die Bürger mit frischen, regional hergestellten Lebensmitteln“, betont er.

Gegenüber den großen Supermärkten sieht er dabei einen wesentlichen Vorteil bei der Hygiene, denn Selbstbedienungsverpackungen würden von vielen Menschen beim Einkauf angefasst und wieder ins Regal zurückgelegt werden. Eine Versorgung aus einer Frischtheke sei wesentlich sicherer.

„Sicherer kann man nicht einkaufen“

„Nur unser Verkaufspersonal, das wiederum hygienische Maßnahmen trifft, um sauber zu arbeiten, berührt die Ware. Sicherer kann man aus unserer Sicht im Moment keine Lebensmittel einkaufen“, ist Dormayer überzeugt.

Außerdem würden in kleineren Geschäften Maßnahmen wie die Beschränkung auf maximal zwei Kunden im Geschäftslokal leichter eingehalten werden, gibt er zu denken. Er formuliert daher den eindringlichen Appell, auch das Nahrungsmittelhandwerk nicht zu vergessen.

„Die Leute jammern immer nur, dass es keine Bäcker, Fleischer, Konditoreien oder Schneider mehr gibt, dabei sind sie oft selbst an der Situation schuld“, mahnt er.

Josef Popp samt Familie kann der Krise auch etwasPositives abgewinnen, denn die Landwirtschaft würde wieder wertgeschätzt werden.
Christelli

Dass bereits ein Umdenken stattgefunden hat, diese Erfahrung hat Josef Popp aus Lachsfeld gemacht, der neben seiner Landwirtschaft auch Selbstbedienungsstände betreibt.

Diese würden viel mehr angenommen als vor der Krise, „weil die Leute so den Kontakt mit anderen Personen meiden können.“

In drei Tagen hat er so viele Erdäpfel verkauft wie sonst in drei starken Wochen. „Wir erleben derzeit eine noch nie da gewesene Wertschätzung der Landwirtschaft“, kann er der Krise auch etwas Positives abgewinnen.