Großmugler (19) hatte „Schutzengel“ auf zwei Rädern. Alexander Neunteufel verdankt Ersthelfern nach schwerem Unfall sein Leben.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 16. Oktober 2019 (06:03)
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Alexander Neunteufel mit seinen Lebensrettern: Peter und Karin Unger waren die Ersten am Unfallort, Franz Maderner sah eine Staubwolke und eilte herbei, Angela Klier riskierte ihr eigenes Leben (v.li.).

Alexander Neunteufel sitzt am Küchentisch seines Elternhauses in Großmugl. Vor ihm die Geburtstagstorte zu seinem 19. Geburtstag. Mit am Tisch sitzen ihm vier unbekannte Personen, die mit ihm feiern. Und doch spielen sie in seinem Leben eine ganz wesentliche Rolle: Ihnen verdankt der 19-Jährige sein Leben. Erinnern kann er sich an den Unfall am 31. August in der Nähe der Hatzenbacher Kreuzung nicht mehr.

Alexander war an jenem Samstagvormittag in einer leichten Kurve mit seinem Auto gegen einen Baum geprallt. Er wurde eingeklemmt und konnte sich selbst nicht mehr befreien. Gleichzeitig begann der Motorraum des Autos zu brennen, der beißende Rauch drang mehr und mehr in die Fahrgastkabine. Der junge Mann war bei Bewusstsein, er schrie um Hilfe.

Den Eltern des Unfallopfers, Leopold und Gabriele Neunteufel, treibt es heute noch die Tränen in die Augen, wenn sie an die folgenden Minuten denken, denn nur durch das perfekte Zusammenspiel der couragierten Ersthelfer hatte ihr Sohn die Chance zu überleben. „Wie kann man sich dafür je bedanken?“, grübelt die Mutter, „man kann es nicht in Worte fassen.“

„Wie kann man sich bei Lebensrettern bedanken? Man kann es nicht in Worte fassen. Es ist einfach unbeschreiblich.“Gabriele Neunteufel

Peter Unger und seine Gattin Karin aus Senning waren die Ersten an der Unfallstelle. Kurz danach hielt Angela Klier aus dem Bezirk Baden ihr Motorrad bei dem komplett verrauchten Unfallwagen an. Während Peter Unger den Notruf wählte und nach Hause eilte, um einen Feuerlöscher zu holen, sprang Karin Unger vor jedes vorbeikommende Auto, um nach einem Feuerlöscher zu fragen – vergeblich.

Angela Klier gehen die bangen Minuten auch heute nicht aus dem Kopf: „Die Tür war verzogen und ließ sich nicht öffnen“, erinnert sie sich. Dann fiel ihr Blick auf einen Stapel mit Baumstämmen. In der Notsituation entwickelte die zierliche Frau eine unglaubliche Kraft: Mit dem rund drei Meter langen Ast schlug sie die Scheibe der Beifahrertür ein. Durch das Fenster konnte der gröbste Rauch entweichen. Im Auto entdeckte sie einen Hammer, mit dem sie dann auch die anderen Scheiben einschlug. „Vor drei Monaten habe ich zufällig im Fernsehen gesehen, wie man das macht“, erzählt sie.

Doch die größte Herausforderung stand der Bikerin noch bevor, denn die Flammen schlugen vom Motorraum immer mehr in die Fahrgastkabine. „Es hat bei seinen Füßen zu brennen begonnen“, schildert Klier. Die schrecklichen Geräusche, die das Feuer dabei machte, verfolgen sie bis heute.

Obwohl sie andere Helfer vom Auto wegzerren wollten, blieb sie beim Verunfallten, hielt ihn fest in ihren Armen und versprach ihm: „Ich bring dich hier raus oder ich bleib bei dir.“ Klier verbrannte sich ihre Motorradkleidung und hielt aus, bis Peter Unger mit dem Feuerlöscher zurückkehrte und den Brand löschte. Kurz darauf trafen die Einsatzkräfte ein. Die Freiwilligen Feuerwehren schnitten Alexander aus dem Auto, mit dem Christophorus-Hubschrauber wurde er ins AKH gebracht und dort sofort operiert. Er erlitt Rippen- und Wirbelbrüche sowie ein Schädel-Hirn-Trauma, wird den Unfall aber ohne Folgeschäden überstehen.

Die Eltern haben erst Zug um Zug von den couragierten Ersthelfern erfahren und wollen nun über die NÖN „Danke“ sagen. Großes Lob sprechen sie auch der Polizei Stockerau und hier vor allem Karl Zlabinger aus, der die schreckliche Nachricht vom Unfall sehr einfühlsam überbracht und die Eltern auch danach unterstützt hat. „Angela aber war unser Rettungsengel. Sie hat unserem Sohn das Leben zurückgegeben“, ist Gabriele Neunteufel überzeugt.

Beim Zusammentreffen aller Ersthelfer in Großmugl wurde somit auch Alexanders zweites Leben gefeiert. „Ich wollte einfach wissen, dass es ihm gut geht“, ist seine Lebensretterin erleichtert. Erinnerungen hat Alexander keine mehr an den Unfall. „Es reicht eh, wenn wir es im Kopf haben“, findet Klier.