Bürgermeisterin im Interview: „Es braucht zwei zum Zusammenarbeiten“

Erstellt am 23. Juni 2022 | 05:21
Lesezeit: 5 Min
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Foto: Christine Stadler
Die Leitzersdorfer Bürgermeisterin Sabine Hopf spricht über die Zusammenarbeit im Gemeinderat und wichtige Projekte.
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In Leitzersdorf hat sich der Staub der Neuwahl gelegt und die Aufgaben des Alltags stehen wieder am Programm. Nach einer Mammut-Gemeinderatssitzung mit rund 40 Beschlüssen bat die NÖN Bürgermeisterin Sabine Hopf zum Gespräch über die politische Zukunft der Gemeinde.

NÖN: Frau Hopf, Ihre ÖVP konnte bei der Neuwahl die absolute Mehrheit erreichen. Wie verändert dieses neue Machtverhältnis das Verhalten?

Hopf : Von uns, also der ÖVP, gar nicht. Das habe ich auch direkt nach der Wahl gesagt, dass wir unseren eingeschlagenen Weg fortsetzen wollen. Wir haben mit allen anderen Parteien Gespräche geführt und unsere Hand war und ist ausgestreckt für Zusammenarbeit. Aber zum Zusammenarbeiten gehören mindestens zwei. Uns wurde von anderen Fraktionen gesagt: „Ihr müsst’s ja gar nicht“. Das stimmt, aber wir wollen.

In Anlehnung an die Feststellung „Ihr müsst’s ja gar nicht“: Gibt es auch Momente, wo aktiv gegengearbeitet wird?

Hopf : Inhaltlich, thematisch nein. Der Großteil der Beschlüsse seit der Wahl war einstimmig oder mit großer Mehrheit. Die Sache mit dem Ortsvorsteher Kleinwilfersdorf (die NÖN hat berichtet) war da die Ausnahme. Da habe ich aber nicht das Gefühl, dass aktiv gegengearbeitet wird, das war reguläres Prozedere.

Nun ist die Wahl ja sehr positiv für die ÖVP ausgegangen. Haben Sie ein gewisses Dankbarkeitsgefühl gegenüber Herrn Schöber und der BGL für die Neuwahl?

Hopf : Nein, ganz und gar nicht. Weil diese Wahl für alle Beteiligten – da meine ich alle Fraktionen, außer die, die es verursacht haben – für die gesamte Verwaltung und alle Bürger nur Mehraufwand bedeutet hat. Ich bin natürlich glücklich, dass sie so ausgegangen ist, ich bin den Bürgern dankbar, aber über den ganzen Zinnober mit dem Dreivierteljahr Stillstand und bis zur Landesregierung hinauf alle beschäftigen, darüber kann man sich nicht freuen.

Denken Sie, dass die Arbeit jetzt leichter wird, weil die ÖVP Entscheidungen mit den eigenen Stimmen fällen kann?

Hopf : Wenn wir es radikal betreiben würden, wäre es einfacher, aber das wollen wir ja nicht. Wir wollen mit allen zusammenarbeiten. Es ist gut, das im Hinterkopf zu wissen, dass wir die absolute Mehrheit haben, aber wir wollen das ja nicht ausreizen und über alle drüberfahren. Darum haben wir uns auch einen Partner gesucht und mit allen gesprochen.

Hat sich in der Zusammenarbeit mit der BGL etwas geändert?

Hopf : Nein. Wir haben ein Gesprächsklima, das von Wertschätzung geprägt ist, was ja früher nicht der Fall war, aber darüber hinaus gibt es keine Zusammenarbeit. Wie gesagt, unsere Hand war ausgestreckt. Und in Bezug auf den Ortsvorsteher Kleinwilfersdorf, da gab es 2020 den Vorwurf, dass wir nichts anbieten. Den haben wir uns zu Herzen genommen und das Wahlergebnis war sehr deutlich. Das Angebot wurde ausgeschlagen, Geschichte bekannt.

In Hinblick auf die verkürzte Legislaturperiode: Gibt es Projekte, die in den drei Jahren unbedingt umgesetzt werden sollen?

Hopf : Wir haben den Glasfaserausbau, der gerade läuft. Dann haben wir den Heizungstausch in Gemeindegebäuden und das Thema PV-Anlagen, wo wir auch gerade in der Angebotseinholung sind. Ebenso das Feuerwehrdepot in Kleinwilfersdorf und der Gemeindestadl in Wollmannsberg. Das waren aber alles Sachen, die wir schon 2020 im Programm hatten und da ist jetzt 2022 nix neues dazugekommen. Natürlich wird es jetzt aber zeitlich kritisch durch den Stillstand einerseits und andererseits durch die weltweiten Lieferverzögerungen und Preisentwicklungen.

Ein anderes wichtiges und vielbesprochenes Thema ist ja der Wohnbau. Was passiert da jetzt konkret?

Hopf : Wir haben derzeit ja das Umwidmungsverfahren beim Land in Betrachtung, das muss dann noch mal vom Gemeinderat beschlossen werden. Da ist definitiv die Siedlungserweiterung in Wiesen drinnen und ein paar wenige Parzellen in der Feldgasse. Und mehr kann es ja nicht sein, weil es ja eine Flächenbeschränkung vom Land gibt.

Mitbewerber haben geschrieben, dass eine Siedlungserweiterung in Leitzersdorf in der Lade liegt: Das stimmt nicht, weil es keine Einigung mit den Grundeigentümern gibt und es auch die Flächenbeschränkung übersteigen würde. In Wiesen konnten wir binnen zwei Monaten eine Einigung erzielen, während andernorts seit Jahren verhandelt wird. Wir können warten bis wir aussterben oder kleine Schritte machen.

Nun steht schon die nächste Gemeinderatssitzung an. Gibt es da Themen, wo Sie sich darauf freuen, den nächsten Schritt zu machen? Oder welche, bei denen Sie schon auf die Reaktionen gespannt sind?

Hopf: Ich erwarte in Hinblick auf einige bürokratische Punkte und Verträge möglicherweise Fragen, aber meist einstimmige Entscheidungen. Wir haben das Thema Heizungstausch auf der Tagesordnung, da bin ich froh, dass wir da eine gute Entscheidung treffen können und hoffentlich bald mit der gewählten Firma umsetzen können. Das halbe Jahr ist vorbei und die Firmen können ja nicht ewig warten. Ich hoffe trotzdem, dass sich beide Gebäude schon heuer ausgehen.

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