Windkraft-Projekt: Niederhollabrunner überrascht. Die Gemeinde Niederhollabrunn war über Windkraft-Vorhaben in Leitzersdorf nicht informiert. Bürgermeister Jürgen Duffek fordert gemeinsame Vorgangsweise.

Von Karin Schuhböck und Dieter Rathauscher. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:59)
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Der Niederhollabrunner Bürgermeister Jürgen Duffek (ÖVP) staunte nicht schlecht, als er beim Lesen der letzten NÖN-Ausgabe erstmals über die aktuellen Windkraft-Pläne der Nachbargemeinde Leitzersdorf informiert wurde. Wie berichtet, will die Gemeinde – eine positive Bürgerbefragung vorausgesetzt – gemeinsam mit der EVN ein Projekt auf der entsprechenden Eignungszone an der Grenze zu Niederhollabrunn vorantreiben.

Abstimmung vor fünf Jahren verlief negativ

Es hätte bereits vor fünf Jahren Arbeitsgespräche zum Thema Windkraft zwischen den Bürgermeistern von Leitzerdorf, Sierndorf und Niederhollabrunn gegeben, erzählt Duffek. „Damals zeigten mir aber zwei negative Abstimmungen, dass die Niederhollabrunner Bürger nur minderes Interesse an einem Ausbau der Windenergie haben, weshalb ich beschloss, mich an der Richtungslinie der Bürger zu orientieren und diese Thematik vorerst auf Eis zu legen“, so Duffek.

Die neusten Entwicklungen in Leitzersdorf stimmen ihn nicht besonders erfreut: „Einige Niederhollabrunner Bürger haben mich aufgebracht kontaktiert: Sie befürchten, dass die massiven Windräder ihnen die Sicht mehr versperren werden als den Nachbarn aus Leitzersdorf.“

Niederhollabrunn wolle sich nicht in die Politik der Nachbargemeinde einmischen, Duffek betont aber: „Wir hätten uns gemeinsam mit der Gemeinde Sierndorf eine Information über jene Pläne erwartet und fordern die Leitzersdorfer nun auf, erneut am Verhandlungstisch Platz zu nehmen.

Dazu kommt, dass es bereits vier Windräder in Richtung Stockerau gibt, die seit Längerem außer Betrieb sind. Vielleicht wäre es besser, sich erst um jene Räder zu kümmern!“

Gemeinsam gegen Konzerne und Energielobby

Duffek bezeichnet sich selbst als Befürworter der Windkraft, jedoch müsse man sich mit den anderen Gemeinden zusammensetzen und ein Gemeinschaftskonzept ausarbeiten. Nur mit einer Zusammenarbeit könne man sicherstellen, dass man den Konzernen nicht ausgeliefert sei: Viele Niederhollabrunner Grundeigentümer seien bereits in der Vergangenheit von Unternehmen „beglückt“ worden, die sich Grundstücke sichern wollten.

Jürgen Duffek (ÖVP) wurde von aufgebrachten Bürgern kontaktiert.
privat

Duffek sieht diese Vorverträge äußerst kritisch: „Ich rate jedem Bürger, sich ganz genau zu überlegen, ob man seine Unterschrift unter solch ein Dokument setzen will.“ Denn durch solche Vereinbarungen hätten Konzerne die Möglichkeit, diese Standortgarantien untereinander zu tauschen, „was im Endeffekt dazu führt, dass der Bürger und die Gemeinde mit einem finanziellen Schaden aus der ganzen Situation aussteigen“, fürchtet der Ortschef.

Duffek ist der Meinung, dass die Energie-Konzerne sich über private Grundeigentümer eine Energielobby aufbauen wollen, die in der eigenen Gemeinde Druck auf die Verantwortlichen ausüben soll. „Ich empfinde dieses Vorhaben als äußerst unseriös und hoffe, dass Bund und Land durch die Energielobby nicht in die Knie gezwungen werden!“ Und Duffek verweist auf die gemeindeübergreifenden Wirtschaftsparks: „Warum kocht bei der Windkraft jede Gemeinde ihre eigene Suppe?“

Bürgerbefragung muss abgewartet werden

Leitzersdorfs ÖVP-Bürgermeisterin Sabine Hopf betont indes, dass das Projekt noch lange nicht fix sei, weshalb sie auch noch kein Gespräch mit den Nachbargemeinden gesucht hätte. Außerdem hänge die Weiterverfolgung der Pläne von der Bürgerbefragung ab.

Sabine Hopf (ÖVP) betont, dass die Pläne noch lange nicht fix seien.
privat

„Ich werde ihn jetzt gleich anrufen“, kündigte sie im NÖN-Gespräch an, den Kollegen aus Niederhollabrunn zu kontaktieren.

Weniger dramatisch sieht Sierndorfs Bürgermeister Gottfried Muck die Causa. Er hätte bereits von den Plänen und der Befragung gehört. „Wenn die Bevölkerung zustimmt, wird sich auch Sierndorf damit beschäftigen.“ Er erinnert, dass Windkraftfirmen auch bei Sierndorfer Grundstückeigentümern angeklopft hätten. „Wir haben dann ein Schreiben an diese Firmen verfasst, dass sie dies zu unterlassen haben, und die Grundstücks eigentümer davor gewarnt, Grundstücke zu verpachten.“