Rodung führte zu Spekulationen in Stockerau. Der private Grundbesitzer will den Baumbestand verjüngen. Aufforstung beginnt bald.

Von Dieter Rathauscher. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:07)
Mit schwerem Gerät wurde der Wald auf der Marienhöhe dem Erdboden gleich gemacht. Der Shredder häckselt alles, was ihm in den Weg kommt, und arbeitet das Häckselgut gleich wieder in den Boden ein.
Rathauscher

Im Eiltempo wurde letzte Woche eine große Fläche eines Mischwaldes zwischen dem Weg zur Marienhöhe und dem Weg zur Aussichtswarte gerodet. Das hat sowohl bei den Anrainern wie auch bei vielen Spaziergängern die Gemüter zur Wallung gebracht. Es wurde spekuliert, dass das Areal, das einem privaten Besitzer gehört, wegen eines Bauprojekts gerodet werde.

Das Grundstück ist im Flächenwidmungsplan als „Grünland – Land- und Forstwirtschaft“ gewidmet und als forstliche Fläche ausgewiesen. NÖN-Recherchen ergaben: Der Besitzer lässt den Baumbestand durch Entfernung der Eschen und Robinien verjüngen und will standortgerechte Bäume pflanzen. Diese Aufforstung soll in den nächsten ein bis zwei Wochen erfolgen.

Grüne-Stadtrat Dietmar Pfeiler, zuständig auch für Umweltagenden, sieht die Sache eher kritisch: „Ich finde das Vorgehen des Eigentümers überschießend, denn die Durchforstung hätte auch deutlich sanfter durchgeführt werden können. Das war keine pflegliche Entnahme. Es wurden meiner Meinung nach auch hiebsunreife Bäume entfernt und ich frage mich, ob der Paragraf 80 des Forstgesetzes eingehalten wurde.“

Er hat sich deswegen an die Forstbehörde der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg mit der Bitte um Stellungnahme gewandt. „Nach Entfernung von Kiefern durch Naturverjüngung ist in den letzten Jahren ein schöner Mischwald entstanden. Bei dieser Aktion ist ein artenreicher Gehölzbestand mit Eschen, Robinien, Ahorn, Nuss und kleinen Eichen entfernt worden. Auch die für Vögel wichtige Strauchschicht ist komplett zerstört worden“, bedauert Pfeiler.

Für Forstbehörde ist Maßnahme in Ordnung

Etwas differenzierter äußert sich dazu Georg Findeis, Leiter der Forstaufsicht bei der BH Korneuburg. „Das war kein aufstrebender Jungholzbestand, der durch den Paragraf 80 geschützt wäre, sondern ein zusammenbrechender Altholzbestand“, erklärt er und ergänzt: „Die wertvollen Bäume hat der Besitzer stehen gelassen, er wird jetzt mit Buntlaubholz wieder aufforsten. Für uns ist das in Ordnung, die Maßnahme war in dieser Form auch nicht meldepflichtig.“

Er weist auch noch darauf hin, dass das Gelände wegen seines „ungepflegten“ Erscheinungsbildes zum Abladen von Müll bis hin zu alten Christbäumen „eingeladen“ hatte. „Die Gemeinde hat den Müll aber immer vorbildlich entfernt“, lobt Findeis.