Sierndorf

Erstellt am 16. November 2016, 04:30

von Theodora Höger

Junges Talent aus Sierndorf erobert die Welt. Die sozial engagierte Cellistin Karmen Kleinmaier aus Sierndorf erobert die Welt.

Das Cello ist von klein auf ihre große Leidenschaft: Karmen Kleinmaier ist auf dem Weg nach ganz oben.  |  privat

Ihr Lebenslauf ist bereits jetzt beachtlich: Konzertreisen ins Ausland, Mitglied im Jugendsinfonieorchester Niederösterreich und im Orchester der Universität Wien, Preise beim Landeswettbewerb Prima la Musica – Karmen Kleinmaier ist erst 16 Jahre alt, hat aber schon vieles erreicht. Am 19. November gibt sie ein Solokonzert in der Musikschule Sierndorf. Die NÖN hat die Cellistin zum Interview getroffen.

NÖN: Mit 16 spielen viele Schlagzeug oder E-Gitarre. Du spielst Cello. Woher kommt die Begeisterung für dieses Instrument?

Karmen Kleinmaier: Ich habe als kleines Kind gerne Lauras Stern gesehen. Im Film hat die Mutter Cello gespielt. Das hat mich fasziniert und ich wollte das Ins-trument auch lernen. Anfangen konnte ich erst mit sechs Jahren. Die zwei Jahre, bis ich auf einem großen Cello spielen konnte, habe ich halt dann mit Ballett überbrückt.

Hörst du denn auch privat vorrangig klassische Musik?

Kleinmaier: Ich liebe klassische Musik, aber ich höre auch wahnsinnig gerne Pop und Punk Rock. Zu meinen Lieblingsbands zählen All Time Low und Die Ärzte. Auch Apocalyptica finde ich toll. Die verbinden Celli mit Rockmusik. Ich selbst möchte aber in der Klassik bleiben – die Songs von Apocalyptica spiele ich nur manchmal zum Spaß zu Hause.

Wie kommt man denn eigentlich mit 16 schon ins Orchester der Uni Wien?

Kleinmaier: Die suchten gerade nach einem Tubisten und einem Cellisten. Ein Freund von mir hat sich als Tubist beworben, ich bin mitgegangen und jetzt bin ich dabei. Dass ich dort die Jüngste bin, stört mich nicht. Alle sind sehr nett zu mir.

Wie ist es zu deinen Reisen nach Indien gekommen?

Kleinmaier: Der Dirigent des Uni- Wien-Orchesters ist aus Indien und organisiert dort Workshops für Jungmusiker. Ich bin schon zweimal auf eigene Kosten mit nach Indien geflogen, um dort beim Unterricht zu helfen. Die Gemeinde Sierndorf hat mich dankenswerterweise sehr beim Reisebudget unterstützt.

Was waren die größten Herausforderungen in Indien?

Kleinmaier: Da gab es einige: Das Essen dort ist sehr scharf! Daran musste ich mich erst gewöhnen. Wir mussten außerdem viele Celli reparieren, bevor der Unterricht richtig losgehen konnte: Indien ist ein sehr armes Land und die Leute dort haben kein Geld für gute Instrumente. Dafür sind sie aber unheimlich gastfreundlich und offen. In Indien habe ich auch viele Freunde gefunden, mit denen ich bis heute noch Kontakt halte – das ist schon etwas ganz Besonderes für mich.

Wie viel muss man als angehende Profimusikerin üben?

Kleinmaier: Mein größter Traum ist es, bei den Wiener Philharmonikern zu spielen. Dorthin ist es aber ein langer Weg und man muss dafür natürlich einiges tun. Ich übe sicher zwei Stunden täglich; am Wochenende mehr. Dazu kommen Proben, Musikstunden, Workshops und diverse Auftritte.

Lässt sich das denn mit der Schule vereinbaren?

Kleinmaier: Ich besuche ein Musikgymnasium in Wien – wir haben dort fünf Stunden pro Woche Musikunterricht. Dementsprechend haben meine Lehrer viel Verständnis für meine musikalischen Aktivitäten: Für Konzerte und Proben bekommen wir Freistellungen. Die Hausaufgaben müssen wir aber natürlich nachbringen.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Kleinmaier: Ich möchte nächstes Jahr unbedingt wieder nach Indien fliegen. Dieses Projekt liegt mir ganz besonders am Herzen. Im Mai mache ich die Führerscheinprüfung. Nach der Matura möchte ich am Konservatorium Cello studieren. Die Aufnahmeprüfung dort ist sehr schwer. Deswegen besuche ich jetzt schon einen Vorbereitungskurs. Sollten sie mich nicht nehmen, habe ich aber einen Plan B: Ich würde gerne Musik- und Mathematiklehrerin werden.