Gerasdorfer Pakt gegen SPÖ-„Mobilitätsbonus“-Idee. SPÖ scheiterte mit ihrem Modell „Eine Stadt. Ein Tarif.“ an den anderen Parteien im Gemeinderat, die eine neue Idee einbrachten.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 02. Oktober 2019 (04:15)
Brugger
Beschlossen geeint gegen die SPÖ den „Pendler-Bonus“: GRÜFO-Gemeinderat Paul Vogler, FPÖ-Vizebürgermeister Dietmar Ruf, ÖVP-Stadträtin Kristina Mandl und DU-Gemeinderat Franz Toifelhardt (v.l.).

Allein die Zielsetzung einte die Parteien im Gerasdorfer Gemeinderat: Man wollte mehr Gerechtigkeit für die Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel, denn derzeit zahlen die Pendler aus Kapellerfeld, Seyring und Föhrenhain um 250 Euro mehr für ihre Jahreskarte, weil sie bereits in die erste Außenzone fallen.

Die SPÖ schlug vor, den gesamten Differenzbetrag unter dem Motto „Eine Stadt. Ein Tarif.“ zu refundieren, die FPÖ warb für ihre Idee eines „Umwelt-Mobilitätsbonus“ in der Höhe von 100 Euro, die NÖN berichtete:

Es kam aber dann doch alles anders: Eine Allianz von FPÖ, ÖVP, GRÜFO und Liste DU bremste die SPÖ aus und brachte im Gemeinderat einen gemeinsamen Antrag für einen „Pendler-Bonus“ ein. Der sieht vor, dass Besitzern einer VOR-Jahreskarte, die einen Hauptwohnsitz in Gerasdorf haben, eine finanzielle Unterstützung in der Höhe von 150 Euro pro Jahr gewährt wird.

2.054 Pendler sind förderwürdig, hat die Allianz beim VOR erheben lassen. Ziel sei es, die Pendler zum Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen, um eine nachhaltige Verkehrsentlastung in Gerasdorf zu erreichen, begründeten die Parteien ihre gemeinsame Vorgangsweise.

„Eine gute Idee zum Wohle der Gerasdorfer Bürger wurde aus parteitaktischen Gründen verhindert. Das ist sehr schade ...“Alexander Vojta, SP-Stadtchef

Vorausgegangen ist dem Pakt ein Treffen aller Parteienvertreter. „Für uns war es vor allem aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, der Betrugsanfälligkeit und der Unplanbarkeit nicht möglich, dem SPÖ-Konzept zuzustimmen“, so die gemeinsame Begründung. Da das Budget für die Entlastung mit 100.000 Euro gedeckelt ist, müsste beim SPÖ-Vorschlag ein Großteil der Anträge abgelehnt werden, fürchteten die anderen Parteien.

In der Gemeinderatssitzung standen dann beide Modelle zu Abstimmung. Nach langen Diskussionen wurde der „Pendler-Bonus“ mit Stimmen von FPÖ, ÖVP, GRÜFO und DU beschlossen.

Die SPÖ zürnte nach der Ablehnung: „Eine gute Idee, die zum Wohle der Gerasdorfer Bürger gedacht war, wurde aus parteitaktischen Gründen verhindert“, ärgerte sich SPÖ-Bürgermeister Alexander Vojta. Er hält den mehrheitlich beschlossenen Vorschlag für schlecht durchdacht, „Kapellerfelder, Föhrenhainer und Seyringer zahlen für die Fahrt nach Wien noch immer um 105 Euro mehr als Oberlisser und Gerasdorfer“.

Der Stadtchef führt auch ins Treffen, dass die tägliche Fahrt von der Oberlisse nach Gerasdorf überhaupt unberücksichtigt bleibt. „Das ist keine geeignete Maßnahme, um den innerstädtischen Verkehr zu fördern“, ist er überzeugt.