Die Natur in Buchform aus Füllersdorf. Über die Traditionen des Mittelwaldes erzählt Autor Manuel Denner.

Von Dieter Rathauscher. Erstellt am 17. April 2021 (04:49)
Autor Manuel Denner schrieb das Buch „Wald.Geschichte.Weinviertel“ – eine wahre Fundgrube für Naturliebhaber.
Rathauscher

Manuel Denner hat ein Buch über die Tradition des Mittelwaldes geschrieben, die in den Eichenwäldern des Hollabrunner und Ernstbrunner Waldes noch immer hochgehalten wird. „Wald.Geschichte.Weinviertel“ ist im Berger Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Jedes Jahr zu Leopoldi, also immer am 15. November, setzen sich im Gemeindehaus von Füllersdorf die Mitglieder der Agrargemeinschaft zusammen und ziehen die Lose für die Waldflächen, die in diesem Jahr zur Nutzung bereit stehen. Dieses Recht der Nutzung ist an die Anteile an den Gemeinschaftsflächen gebunden, diese wiederum an die einzelnen Höfe, was im Grundbuch entsprechend verbrieft ist. Die Lose berechtigen zur Fällung des Niederwaldes zur Gewinnung von Brennholz, und im Hochwald dürfen einzelne Bäume für Bauholz gewonnen werden.

Mit dieser Nutzungsform konnten sich die Höfe mit dem nötigen Bedarf an Holz für das Jahr versorgen. Dabei handelt es sich nicht um ein verbrieftes, sondern um gelebtes Recht, das in dieser Form seit Jahrhunderten gepflogen wird. Und diese Tradition wird im gesamten Gebiet des Hollabrunner und Ernstbrunner Waldes bis heute hochgehalten.

Allerdings haben sich in den vergangenen Jahrzehnten die Bedürfnisse doch stark geändert. Die wenigsten Menschen benötigen noch Brennholz für den Eigenbedarf, und auch Bauholz wird immer seltener gebraucht. Diese Nutzungsform ist jedoch wichtig, wenn es um die Erhaltung der Eichenwälder geht, denn diese müssen „licht“ gehalten werden. Das fördert ihren Fortbestand und zusätzlich hilft es, die Artenvielfalt von Fauna und Flora zu erhalten.

Denner, der ein Büro für Landschaftsplanung betreibt, hat dieser Tradition ein eigenes Buch gewidmet. Darin schreibt er ausführlich über die Entstehung dieser Bewirtschaftungsform. Er blickt auch über die Grenzen hinaus und gibt Einblicke in ähnliche Traditionen in unseren Nachbarländern. Einen beträchtlichen Teil seines Buches widmet der Autor der Pflanzen- und Tierwelt dieser Wälder. Damit ist das Werk eine Fundgrube für Naturliebhaber, vor allem, wenn es um die Wälder des Weinviertels geht.

Anstoß für Buch war Arbeit mit dem WWF

Auf das Thema des Mittelwaldes stieß Denner im Zuge seiner Zusammenarbeit mit dem WWF in den Auwäldern der March rund um Marchegg, wo diese Nutzungsform wiederbelebt werden sollte. Als er sah, dass dies im Weinviertel nach wie vor gelebte Tradition ist, hat er sich dem Thema intensiv gewidmet und schließlich seine Erkenntnisse zusammengetragen und das Buch verfasst.