Arztpraxen geschlossen: Ortschef will mehr Infos. Niederhollabrunns Bürgermeister Jürgen Duffek (VP) kritisiert „Geheimhaltung“ der Quarantänefälle.

Von Lena Förster. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:01)
Bis 29. Mai bleiben die Arztpraxen von Markus Deim in Niederhollabrunn ...
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Die beiden Arztpraxen von Markus Deim in Niederhollabrunn und Leitzersdorf sind bis einschließlich 29. Mai behördlich geschlossen (NÖN.at berichtete exklusiv). Grund dafür ist der Besuch eines Coronapatienten am 15. Mai in der Praxis in Niederhollabrunn.

... und Leitzersdorf geschlossen.
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Dieser sei mit starken Bauchschmerzen und Übelkeit – also Symptomen, die nicht unmittelbar auf eine Infektion mit Covid-19 schließen lassen – behandelt worden. Im Krankenhaus Stockerau wurde schließlich aber ein positiver Covid-19-Test durchgeführt.

Der Patient wurde zur Behandlung ins Corona-Schwerpunktspital Hollabrunn überstellt. Wieso der Mann, der aus Korneuburg stammt, die Praxis von Deim aufsuchte und nicht den Hausarzt konsultierte, wollte der Mediziner auf NÖN-Anfrage nicht kommentieren.

Auch andere Patienten mussten in häusliche Quarantäne

Den Mitarbeitern wurde ein Quarantänebescheid ausgestellt. Die Patienten, die sich neben dem Coronaerkrankten im Wartezimmer aufgehalten hatten, sind ebenfalls davon betroffen und mussten ebenso in häusliche Quarantäne.

ÖVP-Ortschef Jürgen Duffek will von den Behörden mehr Infos über Quarantänefälle.
privat

ÖVP-Bürgermeister Jürgen Duffek zeigt sich verwundert: „Die Geheimhaltung der Quarantänebescheide gegenüber der Gemeinde halte ich für nicht sinnvoll. Es wäre für alle Bürgermeister dienlich, nicht bloß über positive Fälle informiert zu werden und in ländlichen Gebieten kennt sowieso jeder jeden“, kritisiert er die Behörde.

Die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg beruft sich auf das Epidemiegesetz 1950: In diesem wurde festgehalten, dass die Gemeinden nur dann Kontaktdaten erhalten, wenn die Personen in Quarantäne nicht mit Waren oder Dienstleistungen des täglichen Bedarfs versorgt sind. Den Personen, die sich nun in häuslicher Quarantäne befinden, werde vonseiten der Gemeinde dennoch auf jeden Fall Hilfe angeboten, versichert Duffek.

Allgemeinmediziner Deim stellt gegenüber der NÖN indes klar: „Alle meine Mitarbeiter sind gesund.“ Es hätte sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme der Behörde gehandelt. Damit möchte er auch etwaige Gerüchte, wonach Niederhollabrunn ein neuer Hotspot des Coronavirus sei, entschieden entkräften. Zu Pfingsten wird in seiner Praxis wie geplant ein Wochenendbereitschaftsdienst angeboten, der reguläre Betrieb soll am 2. Juni wieder starten, versichert Deim.