AMA-Siegel trotz illegaler Käfighaltung von Hühnern. Weil Tiere nicht gesetzlich vorgeschriebenen Auslauf hatten, wurde der Betrieb Stauber angezeigt.

Von Veronika Löwenstein und Bernhard U. Wieser. Erstellt am 25. März 2020 (06:05)

Seit Jahresanfang ist die Käfighaltung in Österreich verboten. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) deckte aber einen Fall im Bezirk Kor neuburg auf, wo die neuen Vorschriften nicht eingehalten wurden: Die Hühner des Niederrußbacher Betriebs Stauber waren sieben Stunden lang eingesperrt, verkauft wurden die Eier aber als AMA-Bodenhaltungseier.

Bei der Bodenhaltung gebe es Stellagen mit speziellen Formen von Frontgittern, erklärt David Richter vom VGT. Entscheidend sei, dass das unterste Gitter geöffnet ist, damit die Legehennen ständigen Zugang zum Boden haben. So sei es auch im Gesetz vorgesehen. „Das unterste Gitter war jedoch im konkreten Fall geschlossen“, sagt Richter zur NÖN.

Der VGT hätte Aufnahmen erhalten, die eingesperrte Hühner zeigen. „In den Videos ist zu sehen, dass die Tiere mindestens sieben Stunden pro Tag bei vollem Stalllicht bei verschlossenen Gittern in den Käfigen sitzen mussten“, schildert der VGT-Experte, denn Fenster gäbe es in den Legehennen-Betrieben grundsätzlich nicht und das Kunstlicht dürfe 16 Stunden brennen, „damit die Hühner das Maximum an Eiern legen.“

Auch im Niederrußbacher Betrieb sei das der Fall gewesen. In dem 24-Stunden-Video sei zu erkennen, dass die Tiere bis 7 Uhr morgens eingesperrt waren. „Es ist schockierend, dass in einem AMA-Betrieb diese Gesetzesübertretungen vorgefunden wurden“, meint Richter.

Die Hühner wurden mittlerweile aus ihren Käfigen befreit, der VGT hat dennoch eine Anzeige beim Amtstierarzt eingebracht.

Gesetzesübertretungen, eingesperrte Hühner und Tierleid würden eine Ermittlung und Bestrafung nach dem Tierschutzgesetz verlangen, so Richter. „Und letztlich haben auch die Konsumenten und Abnehmer der Eier nicht bekommen, wofür sie bezahlt haben“, führt er vor Augen, „statt AMA-Bodenhaltung war es eindeutig eine gesetzeswidrige Haltung.“

Verantwortliche des Betriebs wollten sich auf NÖN-Anfrage zum Fall nicht äußern und brachen das Telefongespräch ab. Auskunftsfreudiger war dafür Oliver Bernhauser, der in der NÖ Landwirtschaftskammer für Geflügel- und Wildtierhaltung zuständig ist und in Kontakt mit Stauber steht: „Die Familie ist am Boden zerstört, die Fehler bereuen sie sehr.“ Die Tiere seien umgehend von Stauber selber befreit worden, nachdem der VGT den Bericht darüber veröffentlicht hatte, berichtet er.

Die AMA will den Fall prüfen, um mögliche Konsequenzen zu ziehen, wie es in der Aussendung auf NÖN-Anfrage heißt: „Nur Eier aus Boden- oder Freilandhaltung dürfen mit dem AMA-Gütesiegel gekennzeichnet werden. Wir werden jedem Hinweis nachgehen und entsprechend kontrollieren und gegebenenfalls Maßnahmen setzen.“

Doch aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus sind aktuell keine Kontrollen vorgesehen. Im Jänner wurde bereits ein Kontrollschwerpunkt durchgeführt; 26 Betriebe wurden da raufhin mehrmals unangekündigt kontrolliert, ob die Volieren geöffnet sind und die Hennen sich jederzeit frei im Stall bewegen können.

Der VGT sieht die verbauten Haltungssysteme grundsätzlich kritisch, da mit nur wenigen Handgriffen aus Bodenhaltung eine Käfighaltung würde. „Die Käfig-Bodenhaltungssysteme machen den Missbrauch äußert einfach“, ist Richter überzeugt, denn bei einer Kontrolle könnten die Hühner rasch ausgelassen werden.