Stadtsaal in Korneuburg steht vor Verkauf. Familie Minnich will Stadt-Anteil erwerben. Verkauf ist an Bedingungen geknüpft. Kritik von Opposition.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 13. Oktober 2020 (11:36)
Das Objekt am Hauptplatz 31-32 teilen sich seit vielen Jahren die Familie Minnich und die Stadtgemeinde. In der nächsten Gemeinderatssitzung steht der Verkauf des Gemeindeanteils auf der Tagesordnung.
Mikysek

Ein Punkt wird in der nächsten Gemeinderatssitzung auf jeden Fall für Diskussionen sorgen: Die ÖVP will ihren Anteil des Gebäudes, in dem sich der Stadtsaal befindet, an die Familie Minnich verkaufen. Derzeit teilen sich Stadt und Minnich das Objekt Hauptplatz 31-32. Die Opposition ist skeptisch, SPÖ und NEOS lehnen den Plan kategorisch ab.

Gepp: Schlechter baulicher Zustand

ÖVP-Bürgermeister Christian Gepp begründet die Verkaufsabsichten mit dem schlechten baulichen Zustand des Stadtsaals und den hohen Investitionskosten. Vor allem der Zustand der Decke sei besorgniserregend. Rund eine halbe Million Euro müsste man in die Sanierung investieren, so Gepp.

Wenn wir nichts tun, müssen wir den Saal sperren“, fürchtet er. Der Verkauf an die Familie Minnich ist an Bedingungen wie die Weiterführung des Stadtsaals für 20 Jahre, Indexierung der Mieten und die Verpflichtung, den Saal 25 Mal im Jahr für Veranstaltungen der Stadt zur Verfügung zu stellen, geknüpft. „Das sind mehr Veranstaltungen als derzeit im Jahr“, betont der Stadtchef. Außerdem habe man sich ein Rückkaufrecht gesichert.

„Hier geht es ausschließlich darum, den Wunsch der Familie Minnich zu erfüllen“, glaubt SPÖ-Vizebürgermeisterin Gabriele Fürhauser. Der Stadtsaal hätte eine lange Tradition, erinnert sie, „jeder Korneuburger kennt ihn und hat eine besondere Verbindung“. Das Objekt am Hauptplatz sei eine Wertanlage der Stadt, deshalb gäbe es kein nachvollziehbares Argument, es zu verkaufen, sagt Sefko-Vorsitzende Bernadette Haider-Wittmann. Und sie verweist darauf, dass in dem Gebäudeteil der Stadt auch das Café Grünzweig, eine Steuerberaterkanzlei und ein Rechtsanwalt eingemietet sind. „Diese Mieteinnahmen kann man für laufende Kosten und Adaptierungen des Stadtsaals verwenden“, schlägt sie vor.

„Durch den Verkauf verlieren wir keinen Veranstaltungssaal im Zentrum. Nein, wir bekommen einen saniert.“Stadtchef Christian Gepp, ÖVP

Auch NEOS-Mandatarin Sabine Tröger kann einem Verkauf nichts abgewinnen: „Ein Veranstaltungssaal im Zentrum für alle Vereine und Institutionen ist einfach von großer Bedeutung. Was kommt als Nächstes? Der Verkauf des Rathauses?“, wettert sie. Es fehle an transparenten Informationen über Beweggründe und Intentionen, „es sind zu viele Fragen offen“, findet die NEOS-Gemeinderätin. Sie wünscht sich eine Sanierung des Stadtsaals mit Bürgerbeteiligung und Förderungen über die Stadterneuerung.

Nationalratsabgeordneter und Stadtrat Andreas Minnich spricht beim Kauf von einer „Herzensangelegenheit“: „Wir wollen das Haus durchgängig mit dem Stadtsaal sanieren.“ Mit dem Nutzungsvertrag wolle man alle Ängste ausräumen, hofft er. 1,5 Jahre hätte er mit dem damaligen Sefko-Vorsitzenden Thomas Pfaffl, seines Zeichens auch SPÖ-Gemeinderat, über die Modalitäten verhandelt. Für die Gemeinde würde sich an der Nutzungsweise nichts ändern, versichert er.

Geht es nach Stadtchef Gepp, dann soll der Erlös aus dem Verkauf – über den Kaufpreis wollte er noch nicht reden – für die Sanierung der Hallen in der Werft verwendet werden. Das sehen wieder die Grünen problematisch: „Es kann nicht sein, dass SIGNA ihre Grundstücke durch ein belebtes Umfeld aufwertet und die Stadtgemeinde bezahlt die Belebung mit dem Verkauf von Familiensilber am Hauptplatz“, führt Grünen-Stadträtin Elisabeth Kerschbaum ins Treffen.