Pellets-Projekt regt auf. Nahwärmeanlage / Sozialdemokraten sehen sich in der Entscheidung übergangen. Ökonomisch und ökologisch betrachtet sei das Projekt sinnlos. Doch ÖVP-Bürgermeister Karl Stich kontert.

Von Felix Novak. Erstellt am 05. August 2014 (08:32)
NOEN, Novak
SPÖ-Gemeinderat Martin Brunner zweifelt an der Sinnhaftigkeit einer Nahwärmeanlage.

Vor einigen Monaten waren sich die Parteien des Leobendorfer Gemeinderats noch einig: In der Sitzung von Anfang April wurde ein Grundsatzbeschluss zur Errichtung einer Nahwärmeanlage einstimmig angenommen.

Ziel der Gemeinde sollte es sein, eine Anlage im Pfarrhof zu errichten, die auf umweltfreundliche Energieträger setzt. Diese Anlage sollte das Gemeindeamt, den Grunerhof, das neu zu errichtende Haus auf dem Hauptplatz, die Raiffeisenbank sowie die Pfarre selbst beheizen und so die einzelnen älteren Heizsysteme dieser Gebäude ablösen. Von den geschätzten 300.000 Euro an Investitionskosten für eine Pelletanlage würde abzüglich Landesförderungen und Baukostenbeiträgen auf die Gemeinde eine finanzielle Belastung von rund 130.000 Euro zukommen.

"Das Projekt ist wirtschaftlich nicht sinnvoll"

Die zuständige Firma HydroIngenieure erstellte daraufhin ein Angebot für die Planung und den Bau der Anlage, das bei der nächsten Gemeinderatsitzung Ende Juni diskutiert wurde (die NÖN berichtete). Erstmals wurden Zweifel der SPÖ an der Wirtschaftlichkeit und ökologischen Sinnhaftigkeit des Projekts laut. Abermals einstimmig wurde beschlossen, Bedenken mit der Firma HydroIngenieure zu besprechen. Danach sollte ein kleineres Gremium, bestehend aus ÖVP, SPÖ und Grünen, die Entscheidung über die Auftragsvergabe treffen.

In den letzten Wochen setzten sich die drei Parteien daher zusammen und besprachen das Projekt mit den Experten, die Abstimmung fiel später zugunsten der Auftragserteilung aus. „Mit dieser Entscheidung sind wir nicht einverstanden, wir haben dagegen gestimmt“, sagt jetzt Gemeinderat Martin Brunner von der SPÖ. „Das Projekt ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. In der uns vorgelegten Berechnung stören uns vor allem die laufenden Kosten. Diese sind nahezu gleich hoch wie die zu erwartenden Einnahmen, dabei sind sämtliche herangezogenen Zahlen bereits sehr optimistisch angenommen. Wir befürchten einen langfristig andauernden Verlust“, erklärt Brunner.

Schlechtere Luftqualität durch Staubbelastung

Dazu komme, dass sich zukünftige ökologisch notwendige Maßnahmen wie Wärmedämmungen in den betroffenen Gebäuden negativ auf die Gemeindeeinnahmen auswirken und die Anlage noch weniger rentabel machen würden. „Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist die Feinstaubbelastung. Insgesamt würde das Projekt zwar bessere Umweltemissionen bringen, jedoch wären die in Zukunft auf einer Stelle bei der Pfarre konzentriert, das würde die Luftqualität für die dortigen Anrainer vermutlich deutlich verschlechtern“, befürchtet Brunner. „Leider konnten wir diese Argumente in den Gesprächen nicht vollständig vorbringen, da uns dafür nicht genügend Zeit gegeben wurde.“

Enttäuscht sei man bei der SPÖ vor allem auch von den Grünen, die für das Projekt gestimmt haben. „Offensichtlich ließ man sich dort vom ökologischen Anschein der Anlage überzeugen“, meint Brunner.

Alternativ habe die SPÖ eine andere Variante entwickelt - auf eine Pelletheizung solle vollständig verzichtet werden. Ein Wärmepumpenkonzept samt Solaranlagen sowie eine Weiterführung der Eigenständigkeit von Pfarre und Raiffeisenbank wären demnach weitaus sinnvoller, so der SPÖ-Gemeinderat.

"Wir wollen für die Bevölkerung vorangehen"

„Wir sind als Gemeinde nicht auf Gewinn ausgerichtet“, kontert Bürgermeister Karl Stich (ÖVP). „Es gibt ja bereits einen Beschluss, dass wir im Hinblick auf erneuerbare Energien etwas machen wollen und für die Bevölkerung vorangehen sollen. Ich habe kein Verständnis für die jetzt auftauchende Kritik.“ Stich vermutet dahinter etwas anderes: „Wir bekommen die Förderungen vom Land Niederösterreich nur, wenn wir auch private Abnehmer dabeihaben. Ich denke, die SPÖ stößt sich an der Beteiligung der Raiffeisenbank und der Pfarre.“

Außerdem könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, in welche Richtung sich in Zukunft die Energiepreise entwickeln werden. „Der Vorwurf der fehlenden Wirtschaftlichkeit ist deshalb derzeit nicht sinnvoll“, so der Bürgermeister.