21.000 Euro Strafe nach B19-Tragödie um Radanhänger. Geständige Mutter zu Sozialarbeit, leugnender Autofahrer zu teilbedingter Geldstrafe verurteilt.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 04. Dezember 2019 (06:01)
Der 60-jährige Unglückslenker wollte keine Schuld an dem tragischen Unfall haben. Letztlich wurde er zu einer teilbedingten Geldstrafe verteilt. Zu wenig für Ankläger Peter Zimmermann - er meldete sofortBerufung an.
Hahslinger

Nach einem Verkehrsunfall am 4. August dieses Jahres auf der B19 im Freilandgebiet der Marktgemeinde Hausleiten auf der Höhe von Perzendorf, bei dem zwei Kinder (ein- und vierjährig) in einem Fahrradanhänger getötet worden sind, mussten sich die Mutter (39) und der Autolenker (60) aus Wien vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

„Als ich den Gurt der Kinder aufgemacht habe, hat es sich angehört, als würde jeder Knochen noch einmal brechen.“Die Mutter mit zittriger Stimme

Sichtlich von dem Schicksalsschlag, dem Tod ihrer beiden Mädchen, gezeichnet, ringt die Mutter (39) bei der Erinnerung an das furchtbare Geschehen immer wieder um Worte. Ja, sie fühle sich mitverantwortlich für den Tod ihrer beiden Kinder, weil die Mädchen keinen Sturzhelm getragen haben, sagt sie, und bekennt sich zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung für schuldig.

Sie habe sich in der Dämmerung auf dem Heimweg nach Tulln befunden und dann plötzlich einen „Stessa“ verspürt, schildert sie. Danach sei ihr benommen nur ein Gedanke durch den Kopf geschossen, als sie das zertrümmerte Gefährt erblickt habe: „Wo sind meine Kinder, meine Kinder.“

Mit zittriger Stimme sagt sie: „Als ich den Gurt der Kinder aufgemacht habe, hat es sich angehört, als würde jeder Knochen noch einmal brechen.“ Ihre eigenen schweren Verletzungen (Schulterbruch und Rippenbrüche, wobei sich eine Rippe in die Lunge gebohrt hat) habe sie zunächst gar nicht bemerkt.

Für die einjährige Tochter kam jede Hilfe zu spät, sie starb noch an Ort und Stelle. Die vierjährige Schwester erlag wenige Stunden später im Spital den schweren Verletzungen.

Unglückslenker zeigte keine Schuldeinsicht

„Ich bin nicht schuldig“, erklärt der Wagenlenker (60), ein Pensionist aus Wien. Er sei fahrtauglich gewesen, nicht zu schnell unterwegs gewesen und habe das Gefährt einfach nicht gesehen. „Ich habe kein Licht, keine Reflektoren gesehen“, beteuert er, und er will keinerlei Schuld an dem Unfall übernehmen. Die Kollision sei unvermeidbar gewesen, meint er. „Andere Verkehrsteilnehmer haben Lichter gesehen und konnten ausweichen“, entgegnet der Richter.

Der 60-Jährige bleibt bei seiner Beteuerung: „Ich habe nichts gesehen“, und sein Verteidiger will einen Experten hören, der Fragen zu der Beleuchtung und Erkennbarkeit des Radanhängers für die damaligen Verkehrsteilnehmer klären soll.

Staatsanwalt Peter Zimmermann spricht sich gegen die Zuziehung eines weiteren Experten aus. Für ihn sei die Sachlage klar, und er bringt es auf den Punkt: „Fahren auf Sicht – jederzeit stehenbleiben können.“ Richter Dietmar Nußbaumer schließt sich dieser Rechtsansicht an und weist die Beweisanträge (weiteres Kfz-Gutachten und die Durchführung eines Lokalaugenscheins) ab.

Nach dem Beweisverfahren bietet er der schuldeinsichtigen Mutter eine Diversion an: Einstellung des Verfahrens gegen Erbringung von 200 Stunden gemeinnütziger Leistung. „Der Tod der Kinder ist die schlimmste Strafe“, befindet auch der Staatsanwalt und ist mit der Diversion einverstanden.

Für den uneinsichtigen Wagenlenker setzt es eine teilbedingte Geldstrafe: 28.000 Euro, davon muss er 21.000 Euro bezahlen. Nicht rechtskräftig.