Ansturm auf die Bike-Shops im Bezirk Korneuburg. Durch Corona erlebt das Rad ein Hoch. Wer kann, schwingt sich vorzugsweise aufs E-Bike – im Alltag und im Urlaub.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 07. April 2021 (04:07)
Ob zur Arbeit oder in der Freizeit – die Routen sind auch heuer gut ausgelastet, wie hier bei der Eröffnung eines Radwegs in Gerasdorf kurz vor Corona. 
Simperler

„Radeln“ hat einen Boom erlebt. Die NÖN hat nachgefragt, wie man damit umgeht.

Richard Stawa von der Radlobby wünscht sich mehr Einsatz des Landes NÖ.
privat

„Wir hatten eine intensive Zeit“, erklärt der Geschäftsführer des Bikestore in Langenzersdorf, Norbert Bisko. Nachdem man im Vorjahr gesehen hatte, dass es Lieferengpässe gegeben hat, waren die Kunden heuer früher dran. „Viele haben deshalb schon im Herbst geordert“, so Bisko. Zwar hat man noch gute Lagerbestände, „wenn ein Radkauf ansteht, sollte man das möglichst bald machen“, rät der Experte. „Wir haben auch während des Lockdown die gesamte Mannschaft da“, erklärt er. Denn es gelte, den Webshop zu betreuen und die bestellten Räder vor dem Geschäft auszuliefern. Und auch im Verkaufsraum gibt es viel zu tun: „Wir sind mit dem Aufbau der Räder nicht mehr nachgekommen.“

Bisko ortet nach wie vor eine

starke Nachfrage nach E-Bikes, für viele Kunden seien sie
eine Alternative zu den Öffis. Und: „Man kommt schweißfrei von A nach B“, erklärt der Fachmann. Zudem hört er von vielen Kunden, die auch heuer wieder Radurlaube in Österreich planen. Da sei der Vorteil des E-Bikes, dass man in gleicher Zeit die doppelte Strecke schafft. Nicht zuletzt ist für Bisko das Rad aktuell eine der wenigen Möglichkeiten, sich fit zu halten.
„Wir haben bereits fast keine Ware mehr“, erklärt Wolfgang Pink aus Stetten, mit Filialen in Stockerau und Korneuburg größter Radhändler im Bezirk.

Bürgermeister Christian Gepp will das Radfahren in Korneuburg
erleichtern.
privat

Zum Teil kann noch unter den Händlern Ware getauscht werden, die Auswahl ist aber schon bescheiden. Auch bei ihm ging der Trend ganz klar hin zu E-Bikes und für die Kleinsten zu ganz leichten Kinderrädern.
Problematisch ist laut Pink mittlerweile die Versorgung mit Ersatzteilen: „Vieles kommt aus Asien, so etwa Schaltungen, die fast in allen Rädern verbaut sind.“ Die Wartezeit betrage bis zu neun Wochen. Wer ein Rad besitzt, sollte darauf aufpassen, rät Pink, denn auch in der Werkstatt gibt es Wartezeiten bis drei Wochen. Die Hauptprobleme könnten die Pedalritter aber leicht verhindern: „Es wird sehr oft mit viel zu wenig Luft gefahren“, so Pink.

Konzepte für „Alltagsradeln“

In der Leader-Region Weinviertel-Donauraum beschäftigt man sich laut Sonja Eder derzeit mit dem Alltagsradeln, den Wegen in die Schule oder zur Arbeit. „Wir sind in der Planung, möchten dann mit den Gemeinden die Ideen umsetzen“, so Eder. Entscheidend sind die Entfernungen zu regionalen Zentren und Gewerbegebieten. Sie sollten nicht größer als fünf Kilometer sein, erklärt Eder. Umsetzbar wäre etwa ein Radweg bei der Stettner Fossilienwelt, den Besucher ebenso nutzen wie die Angestellten der Betriebe ringsum. Auch der Bau der B6-Umfahrung von Harmannsdorf ist laut Eder ein Anreiz für einen Radweg.
10vorWien-Kleinregion-Obmann Christian Gepp weist auf die unterschiedlichen Arten und Förderungen der Radwege im Bezirk hin, denn vom Eurovelo reiche das Netz bis zu einzelnen Verbindungen in den Gemeinden und sei daher nicht immer einfach zu erfassen. Als ÖVP-Bürgermeister von Korneuburg ist ihm bewusst, „dass Radfahren ein großes Thema ist“. Deshalb will die Stadt neben dem weiteren Ausbau des Radwegs in der Stockerauer Straße auch die Zufahrten zum Bahnhof mit dem Rad erleichtern.
Richard Stawa von der Radlobby in Korneuburg kritisiert, dass das Stadtzentrum für Radfahrer noch immer nicht „erfahrbar“ ist. „Ein Radfahrer, der zum Hauptplatz will, muss mutig sein“, so Stawa. Kritik übt er am Land NÖ: „Bei den Verbindungen zwischen den Orten überlässt man viel den Gemeinden.“ Ein überregionales Management für Radwege wäre gut. Und: Die Radwege sollten asphaltiert sein.
23 Mitglieder umfasst der Radclub Korneuburg, prominentestes ist ÖVP-Nationalratsabgeordneter Andreas Minnich. Jeden Freitag trifft man sich zur Ausfahrt, erklärt Obmann Harald Ahorner. Meist geht es am Treppelweg bis Greifenstein und weiter nach Tulln. Öffentliche Straßen werden gemieden. Problematisch sei die hohe Frequenz am Treppelweg, und derzeit es fehle das Zusammensitzen nach der Tour.

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