FPÖ Stockerau: „Wir stehen zu dem Projekt“. Die FPÖ Stockerau möchte mit Spray-Aktion das Sicherheitsgefühl erhöhen, was für Kritik sorgt.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 15. September 2021 (05:51)
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FPÖ-Sicherheitsgemeinderat Klaus Polacek (r.) und Wilfried Weyse von HTPSystems wollen an der Aktion festhalten.
Michaela Höberth

„Dieser Spray soll wie eine Versicherung sein. Ich zahle den Versicherungsbeitrag zwar, hoffe aber, dass ich nie in die Situation komme, diese zu brauchen“, erklärt FPÖ-Gemeinderat Klaus Polacek. Als Sicherheitsgemeinderat hat er gemeinsam mit der Firma HTPSystems ein Pilotprojekt gestartet: 50 Reizgas-Sprays wurden der FPÖ zu Verfügung gestellt und sollen – unter Auflagen – an interessierte Personen verteilt werden. Diese müssen mindestens 18 Jahre alt sein und eine konkrete Begründung für ihr Interesse vorlegen. Außerdem erfolgt eine schriftliche Unterweisung per Datenblatt.

„Diese Sprays suggerieren dem Gehirn Schmerzen, verletzen aber nicht“, sieht Wilfried Weyse von HTPSystems bei dem Produkt gegenüber Pfeffersprays klare Vorteile. Die Sprays seien zertifiziert und frei erhältlich. Laut dem deutschen Hersteller Hoernecke seien gesundheitliche Nebenwirkungen bei sachgerechter Anwendung nicht bekannt.

Der Inhaltsstoff CS löst eine starke Reizung der Augen und der oberen Atmungsorgane, brennende Schmerzen im Gesicht und im Rachenraum, starkes Augentränen, Angst und Beklemmungsgefühle aus. HTPSystems setzt den Sprühstoff bereits zum Schutz von Industrie-Containern ein.

Polacek sieht in Sachen Sicherheit Handlungsbedarf: Nicht jeder fühle sich in Stockerau sicher, vor allem jene, die mit der Bahn pendeln und oft erst spät nach Hause kommen. Dabei ginge es in erster Linie um den Schutz von Frauen und Mädchen. „Es wird auch immer wieder auf Facebook über Vorfälle berichtet. Mir ist klar, dass hier viele übertreiben, aber ich versuche immer, diese Postings zu prüfen und mir selbst ein Bild zu machen“, betont Polacek. Mit der Spray-Aktion soll diesen Menschen ein höheres Sicherheitsgefühl ermöglicht werden.

FPÖ entfernt Posting nach Diskussionen

Auf Facebook stieß die FPÖ-Idee jedoch auf wenig Gegenliebe: „Vielleicht sollte sich der Sicherheitsgemeinderat um mehr Sicherheit bemühen, nicht drum, dass sich die Leute gegenseitig verletzen“, heißt es in einem Posting.

Außerdem schaltete sich der ehemalige NEOS-Gemeinderat Martin Fischer ein; der Spray gelte per Gesetz als Waffe und sollte, so seine Meinung, nicht außerhalb des niedergelassenen Waffenhandels ausgegeben werden. Nach der Kritik wurde das Posting seitens der FPÖ entfernt.

„Ich stehe aber trotzdem zu dem Projekt, wir werden das weiterverfolgen“, so Polacek gegenüber der NÖN. Zwei Sprays wurden bisher vergeben. Das Thema Gewalt – vor allem verübt durch Ausländer – sei ein Kernthema der FPÖ. Auch die Organisation von Selbstverteidigungskursen sei geplant.