Tierquälerei an Schafen? VGT ortet Skandal!

Tierschutzvereine kritisieren das Töten von Schafen ohne Betäubung in Betrieb im Bezirk Korneuburg und werfen Behörde Versagen vor.

Sebastian De Piero Erstellt am 21. September 2021 | 14:39
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Hunderte Schafe sollen ohne Betäubung getötet worden sein.
Foto: VGT.at/RespekTiere

Ein Schlachtbetrieb in Bruderndorf ist zum wiederholten Male ins Visier von Tierschützern geraten. Die Tierschutzorganisationen „Verein gegen Tierfabriken (VGT)“ und „RespekTiere“ werfen dem Betrieb „schwere Tierquälerei“ und den Behörden Kontrollversagen vor.

Die beiden Vereine verfügen über Videobeweismaterial, das die illegal ausgeführte Tötung von hunderten Schafen zeigt, sobald der Tierarzt den Betrieb verlassen hat. „Einem Tier nach dem anderen wird die Kehle aufgeschnitten. Ein Tier nach dem anderen wird ohne Betäubung im eigenen Blut badend in den Tod geschickt“, gibt der VGT den Inhalt des Videomaterials wieder.

David Richter vom VGT erklärt: „Rituelle Schlachtungen oder sogenanntes Schächten ist in Österreich nur mit sofortiger Betäubung nach dem Schnitt erlaubt.“ Laut Gesetz muss ein amtlicher Tierarzt diese Vorgänge überwachen. „Das ist hier nicht geschehen und es steht der Vorwurf im Raum, dass die Behörde von dieser Tierquälerei gewusst und sie in Kauf genommen hat“, sagt Richter.

“... es steht der Vorwurf im Raum, dass die Behörde von dieser Tierquälerei gewusst und sie in Kauf genommen hat.“ David Richter, VGT

Durch Analysen in der Tierkörperverwertung konnte festgestellt werden, dass die Köpfe der Schafe nicht mittels Bolzenschuss eingeschlagen waren und somit keine Betäubung bei der Schächtung stattgefunden hat.

Bezirkshauptfrau Waltraud Müllner-Toifl weist die Vorwürfe auf das Schärfste zurück: „Dass die BH Korneuburg über jene Zustände Bescheid gewusst hätte, entbehrt jeder Grundlage.“ Jeder einzelne Antrag betreffend Schlachtungen von Tieren ohne Betäubung werde im Sinne des Tierschutzgesetzes genau geprüft. „Nur wenn sämtliche gesetzlich geforderten Unterlagen beigebracht sind, wird eine Bewilligung mit Vorschreibung vielfältiger Auflagen erteilt“, so die Bezirkschefin.

Auch hätten immer wieder unangekündigte Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung des Tierschutzes stattgefunden. Nach Bekanntwerden der Verdachtsmomente in der letzten Woche erfolgte laut Müllner-Toifl noch am gleichen Tag eine Überprüfung durch die Amtstierärztin. Wegen Gefahr in Verzug seien die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen veranlasst und die nach dem Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz zuständige Behörde beim Amt der NÖ Landesregierung verständigt worden.

Kritik auch an Landesrat Waldhäusl

Kritik üben die Tierschützer auch an dem zuständigen Tierschutz-Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ): „Er weiß seit Jahren von diesem Problembetrieb und schwingt seit Jahren große Worte.“ Er hätte es gemeinsam mit dem für Kontrollen zuständigen Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) nicht geschafft, für ordnungsgemäße Kontrollen zu sorgen. Waldhäusl reagierte und forderte vom Bund, „ein generelles Schächtverbot auszusprechen“.

Er kündigte an, umgehend Anzeige wegen Tierquälerei zu erstatten, und forderte Minister Wolfgang Mückstein (Grüne) auf, „endlich Maßnahmen im Tierschutzbereich zu setzen“. Denn, so der FPÖ-Landesrat weiter: „Dieser Fall beweist einmal mehr, welche Zustände in unserem Land vorherrschen und dem Schächttourismus damit Vorschub leisten.“ Der betroffene Betrieb wollte sich trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme durch die NÖN nicht zu den Vorwürfen äußern.