Korneuburger (50): „Corona ist Roulette-Spiel“. Christian Wagner lag eine Woche im Spital. Obwohl er nicht zur Risikogruppe gehört, zeigte er schwere Symptome. Nun mahnt er, Rücksicht zu nehmen.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 01. April 2020 (05:58)
Christian Wagner ist mittlerweile wieder fast gesund.
privat

Eine Infektion mit dem Coronavirus würde bei ihm einen milden Verlauf nehmen, davon war Christian Wagner bis vor wenigen Wochen überzeugt.

Der 50-jährige Korneuburger gehört nicht zur Risikogruppe, ist sportlich, Nichtraucher und hat keine Vorerkrankungen. Doch nach einem einwöchigen Spitalsaufenthalt als Covid-19-Patient warnt Wagner: „Es ist schön, wenn die Krankheit milde verläuft, aber das ist nicht selbstverständlich! Ein paar schaffen es, ein paar nicht. Dieses Roulette-Spiel würde ich nicht spielen!“

„Ich konnte tagelang nichts essen, war sehr schwach und komplett dehydriert“

Der Korneuburger steht nicht gerne in der Öffentlichkeit. Aber aufgrund seiner eigenen Krankengeschichte will er mahnen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. „Denn der Beginn des klinischen Behandlungsmodus kann der letzte Zeitpunkt sein, an dem man seine Angehörigen gesehen hat“, führt er drastisch vor Augen, dass das Virus jeden mit voller Härte treffen kann.

Auch Wagner hat lange geglaubt, eine Grippe erwischt zu haben. Das habe man ihm auch bei der Hotline 1450 mehrmals versichert. Nach fünf Tagen mit Fieber, Atemnot und Brustschmerzen hat er dann die Rettung alarmiert.

„Ich konnte tagelang nichts essen, war sehr schwach und komplett dehydriert“, schildert er seinen Zustand. So wie viele Coronapa tienten beschreiben, fehlte auch dem Korneuburger der Geruchs- und Geschmackssinn.

Die Rettungskräfte überprüften die wichtigsten Organe und machten einen Abstrich für einen Coronatest. Noch vor dem Eintreffen des positiven Ergebnisses verschlechterte sich der Zustand des 50-Jährigen und er wurde ins Spital gebracht. Der einzige Kontakt waren die Ärzte und Pfleger in ihrer Schutzbekleidung. „Sie machen wirklich einen tollen Job. Für Ärzte und Schwestern ist das eine Mega-Anstrengung“, ist Wagner bewusst.

Im Krankenhaus wurden zwar die Symptome gemildert, mit seinen Gedanken blieb Wagner aber alleine. „Ich habe eine positive Grundeinstellung. Ich war überzeugt, dass ich die Kraft habe, es zu schaffen“, erzählt er von der mentalen Herausforderung und ergänzt: „Man muss jeden Tag aufs Neue daran glauben.“

Für ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen sei die Kombination aus Isola tion und Krankheitssymptomen eine besonders schwierige Phase, ist er überzeugt. „Bei einer Grippe ist man zu Hause und die Angehörigen sind da, im Spital ist man allein und kann vielleicht nie mehr besucht werden“, macht er den Unterschied deutlich.

Wagner selbst ist mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung. Seine Erfahrung nutzt er nun für einen eindringlichen Appell: „Man darf nicht egoistisch sein, man kann andere gefährden, für die es übel enden kann!“ Und dass keiner vor einem schweren Krankheitsverlauf gefeit ist, zeigt seine eigene Geschichte.

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