Gottfried Muck tritt ab: „Ich habe die Querelen satt“

Gottfried Muck nimmt als ÖVP-Ortschef von Sierndorf seinen Hut, Ernst Kreuzinger folgt nach. Die NÖN traf Gottfried Muck zum Interview.

Erstellt am 10. November 2021 | 05:55
Lesezeit: 3 Min
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Gottfried Muck freut sich sichtlich auf seine Zeit als Privatier.
Foto: Schuhböck

Der letzte Misstrauensantrag hat das Fass zum Überlaufen gebracht: ÖVP-Bürgermeister Gottfried Muck will sich nicht mehr mit den Oppositionsparteien streiten und sich rechtfertigen müssen. Bei der letzten Fraktionssitzung am 3. November teilte er seiner Partei mit, sich aus allen Ämtern zurückzuziehen und den Platz für einen neuen Bürgermeister frei zu machen, am 4. November reichte er seinen Rücktritt schriftlich ein. Es bleiben nun acht Tage, in denen er sich diesen Schritt nochmals überlegen kann.

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Da die ÖVP die stimmenstärkste Partei der Gemeinde ist, kann sie auch den neuen Bürgermeister stellen. Die Partei hat sich einstimmig auf den bisherigen Amtsleiter Ernst Kreuzinger als Mucks Nachfolger geeinigt. Dieser wird sich bei der nächsten Gemeinderatssitzung einer geheimen Wahl stellen und es ist aufgrund der ÖVP-Mehrheit anzunehmen, dass er ausreichend Stimmen bekommt und als nächster Bürgermeister gewählt werden wird. Die NÖN traf den scheidenden Bürgermeister zum Interview.

Es ist Zeit für einen Neustart, die Streitereien sollen aufhören. Das ist mein größter Wunsch.“

NÖN: Dieser Rücktritt war für viele sehr überraschend. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Gottfried Muck: 27 Jahre lang bin ich im Gemeinderat für die Interessen der Bevölkerung eingetreten; davon durfte ich acht Jahre lang als Bürgermeister die Entwicklung unserer Heimat mitgestalten, darauf bin ich sehr stolz. Von Anfang an war eine Zusammenarbeit mit der Opposition nicht möglich. Es gab keine offenen Gespräche und wir haben nie an einem Strang gezogen. Irgendwann einmal ist es genug und ich habe die Querelen satt. Jetzt bin ich 69 und es ist an der Zeit, meine Rente zu genießen.

Es gab Gerüchte, dass einige Personen Ihrer Partei nicht mehr voll hinter ihnen stünden. Ist da etwas Wahres daran?

Muck: Das ist wirklich nur ein Gerücht. Alle standen immer voll hinter mir. Dies ist auch daraus zu ersehen, dass der letzte Misstrauensantrag der Oppo sition nicht durchgebracht wurde und ich immer noch als Bürgermeister die Sitzung verlassen konnte. Ich nehme an, dass diese Gerüchte von den Oppositionsparteien verbreitet wurden.

Nun wurde überraschend Amtsleiter Ernst Kreuzinger als Ihr Nachfolger bestimmt. Er hatte bis jetzt keine politische Funktion in der Gemeinde. Ist er nur eine „Zwischenlösung“ bis zur nächsten Gemeinderatswahl?

Muck : Ernst Kreuzinger ist die beste Wahl. Er hat von allen die beste Einsicht in die Gemeinde und ist schon einigen Bürgermeistern als Amtsleiter zur Seite gestanden. Ich bin überzeugt, dass er ein großartiger und kompetenter Bürgermeister sein wird und er ist keine Zwischenlösung. Er wird sicher auch bei der nächsten Wahl der Spitzenkandidat sein. Wichtig ist, dass es mehr Dialog gibt. Es ist Zeit für einen Neustart, die Streitereien sollen aufhören. Das ist mein größter Wunsch.

Wie wird jetzt Ihr Leben als Privatier aussehen?

Muck: Viel Zeit mit der Familie verbringen steht im Vordergrund. Jetzt kann ich auch vermehrt meinem größten Hobby, dem Radfahren, nachgehen und wieder viel mehr trainieren. Ich werde mich aber nicht mehr in die Gemeindepolitik einmischen, außer jemand braucht einen Rat von mir, dann werde ich gerne helfen.