Aus für Würnitzer Traditionsgasthaus. Ein heimtückischer Keim macht es dem Juniorchef unmöglich, den Betrieb weiter zu führen. Für die Eltern alleine ist die Belastung in Küche und Service einfach zu groß.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 28. August 2019 (04:49)
Mohsburger
Der Traditionsbetrieb mit dem wunderschönen Gastgarten sperrt zu. Ob für immer, wird sich bei der Suche nach einem Käufer zeigen.

Am Donnerstag, 29. August, schließt der Gasthof Fugger für immer seine Pforten. Der Grund für das Ende des traditionsreichen Familienbetriebs ist tragisch: Nur zwei Monate, nachdem der 38-jährige Dieter Fugger gemeinsam mit Gattin Sabrina im vergangenen Sommer den Betrieb von den Eltern übernommen hatte, suchte ihn ein heimtückischer Keim heim.

„Ein Verpachten wollen wir uns nicht antun“

„Mit einem Hühnerauge hat es begonnen, dann kam ein unbekannter Keim dazu“, erklärt Mutter Christine Fugger im Gespräch mit den NÖN. Mittlerweile muss ihr Sohn täglich zur Behandlung ins AKH, an ein Arbeiten in der Küche ist nicht mehr zu denken. „Wir haben nur noch geöffnet, weil wir einen Vertrag mit der Stadt Wien haben“, so Fugger. Dieser läuft am Donnerstag ab, „um 17 Uhr, wenn die letzten Busgäste weg sind, wird die Türe für immer versperrt“, erklärt sie.

Wie es mit dem Lokal weitergeht, ist ungewiss. „Ein Verpachten wollen wir uns nicht antun“, so Fugger. Man werde wohl einen Käufer für das gesamte Gebäude suchen.

„Mich stimmt das Ende des Gasthauses aber nicht traurig“, so Fugger, denn in Würnitz habe sich vieles geändert. „Dass ein Wirt niemanden kennt, ist ungewöhnlich“, sagt die 64-Jährige. Wenn sie zu Fuß unterwegs ist, passiert ihr aber genau das. Zudem gebe es in den neuen Siedlungen ein Kommen und Gehen, viele der neu Hinzugezogenen würden am Lokal nur vorbeigehen.

„Wir hatten auch viele Radfahrer als Gäste“, erzählt Fugger, doch seit die Bundesforste Teile des Waldes übernommen haben, funktioniere die Pflege der Wege nicht mehr gut. Somit waren es vorwiegend Stammgäste und Busreisende, die von Mutter und Sohn 16 Jahre lang gemeinsam bekocht wurden. Einigen alten Gästen wurde das Essen sogar regelmäßig heimgebracht. Nun liegt es am künftigen Nahversorger, die Hauptstraße zwischen dem Gasthof und dem noch immer leer stehenden Arzthaus mit Leben zu erfüllen.