Postler war zu faul für Briefzustellungen. „Ich wollte heim“, begründete 24-Jähriger, warum er Briefsendungen einfach nicht zustellte. Fazit: Jobverlust und Vorstrafe!

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 13. Januar 2020 (04:38)
Richter Manfred Hoheneckerzum geringen Arbeitseifer des Postlers: „RSb-Briefe machen halt mehr Arbeit als ein Hofer-Prospekt.“
NOEN

Bei einer Routinekontrolle am 8. Oktober vergangenen Jahres wurde in der Verteilerbasis Korneuburg bei einem Moped eine Zustellertasche prall gefüllt mit Schriftstücken, unter anderem RSa- und RSb-Briefe, gefunden. Die Tasche mit dem brisanten Inhalt konnte letztlich eindeutig einem 24-jährigen Beamten der Post AG, zuständig für den Rayon um Spillern, zugewiesen werden.

Mit dem heiklen Fund konfrontiert, gab der 24-Jährige aus dem Bezirk Korneuburg sofort sein Fehlverhalten zu. Auch vor Richter Manfred Hohenecker legte der offensichtlich wenig arbeitsfreudige und mittlerweile gefeuerte Postler ein reumütiges Geständnis ab: „Ich gebe alles zu. Ich wollte einfach früher heim und manche Schreiben waren halt mühsamer, zeitintensiver. Manchmal habe ich auch den erforderlichen Drucker vergessen“, erläuterte er seine Beweggründe.

Neben Behördenschreiben von Bezirkshauptmannschaften, Gemeinden sowie dem Amt der Landesregierung hat der Postler auch eine Wahlkarte nicht zugestellt und es verabsäumt, mehrere RSb-Briefe an die jeweilige Behörde zu retournieren. Laut dem Bericht der Polizeiinspek tion Stockerau handelte es sich bei den Schreiben unter anderem um Lenkerauskünfte und Strafbescheide. Aufgrund der nicht durchgeführten Zustellungen oder Hinterlegungen wurden die Bescheide nicht rechtskräftig. Zudem stellte der 24-Jährige auch zahlreiche nicht bescheinigte Postsendungen – eine Postwurfsendung der Marktgemeinde Spillern sowie Fachzeitschriften – nicht zu.

Der bislang unbescholtene Weinviertler wurde wegen Missbrauch der Amtsgewalt zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. „Mit einem Fuß waren Sie schon in der Zelle. Nur das reumütige Geständnis bewahrte sie vor dem Gefängnis“, erläuterte der Richter.