Erstellt am 10. April 2014, 13:05

Stalking-Prozess erneut vertagt. Ein Prozess um beharrliche Verfolgung ist am Donnerstag in Korneuburg fortgesetzt und erneut vertagt worden.

Stalking-Opfer sind ein Landesgerichtspräsident, dem der Angeklagte u.a. einen Wildschweinkopf in den Garten geworfen haben soll, und ein ehemaliger Bürgermeister, den er in Flugzetteln und via Megafon beschimpft haben soll.

"Attacke" mit Sauschädel bestritten

Der 54-Jährige bekannte sich zum Verhandlungsauftakt im Februar nicht schuldig. Die von ihm geäußerten Vorwürfe und plakatierten Anschuldigungen würden "zu 100 Prozent" stimmen, betonte er. Zehn Jahre hindurch sei er vom Gericht benachteiligt und in seiner Gemeinde um ein Grundstück betrogen worden.

Die "Attacke" mit dem Sauschädel im April 2013 bestritt der Angeklagte: Der Wildschweinkopf sei von einer im Rahmen einer Protestaktion an seinem Fahrrad montierten Tafel verschwunden.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, das Haus des Juristen beobachtet, ihm - auch am Arbeitsplatz - aufgelauert und ihn auf Plakaten gefährlich bedroht zu haben. Auch dessen Ehefrau sei u.a. durch Telefonate belästigt worden. Weiters gab es Attacken mit Spritzpistolen.

"Osternest" mit Plakat und Hundekot

Im Zeugenstand schilderten die Opfer und auch ihre Frauen im Februar die psychischen Belastungen durch phasenweise tägliches Stalking. Vor dem Wildschweinkopf fand der Jurist im Vorjahr ein "Osternest" mit einem Plakat und Hundekot, seiner Frau wurde beim Joggen aufgelauert.

Der Kommunalpolitiker (bis 2012 im Amt) berichtete von "tausenden" Pamphleten u.a. an Bäumen und Masten, aber auch am Gemeindeamt und an der Kirche. Unzählige Male wurden die Opfer nach ihren Angaben auch fotografiert.

Polizist hatte persönlich keine Verfolgung gesehen

Am Donnerstag ging es hauptsächlich um die Aktionen des Beschuldigten in der Gemeinde. Zu Wort kamen u.a. Anrainer und auch Gemeindepolitiker. "Natürlich war der Vater nervös, und die Mutter war damals 'komplett durch den Wind'", erzählte die Tochter des Bürgermeisters, die ihre zu Spitzenzeiten mehrmals täglichen Beobachtungen notiert hatte. Auch ihre Kinder seien durch die gegen den Opa gerichteten Flugzettel irritiert gewesen.

Ein Polizist berichtete von zahlreichen Anzeigen in der Causa, persönlich hatte er keinen Verfolgungsakt gesehen - ebenso nicht ein weiterer vormaliger Kommunalpolitiker. Der Angeklagte selbst wollte in unzähligen Fragen an die Zeugen immer wieder auf den Grund seiner Plakataktionen - dass er sich nämlich um ein Grundstück betrogen fühlte und Aufklärung darüber wollte - zurückkommen.

Die Verteidigung beantragte weitere Zeugen, über deren Ladung allerdings heute noch nicht entschieden wurde. Am 5. Juni wird die Verhandlung fortgesetzt, dann soll auch ein psychiatrisches Gutachten präsentiert werden.