Eschentriebsterben: Kahlschlag ist keine Option. Das Team des Bauhofs schont die Natur: Die erkrankten Bäume werden händisch gefällt.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 10. Juni 2017 (05:00)
Höberth, privat
Jeden Tag sind Bauhof-Leiter Franz Els und sein Team in der Au unterwegs, um die Bäume zu begutachten und zu fällen.Auch in den Wintermonaten
waren sie im Einsatz.

Es ist eine Mammutaufgabe, die nur über lange Zeit bewältigt werden kann: Tag für Tag arbeiten die Mitarbeiter des Bauhofs daran, die Au wieder sicher zu machen. Das Eschentriebsterben greift in den Auwäldern um sich und bringt Bäume urplötzlich zu Fall. „Die Hauptwege sind mittlerweile wieder gesichert“, so Bauhof-Leiter Franz Els, der jeden Nachmittag Nachschau hält.

Die Stadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Auwald weitgehend zu erhalten. Man will das Naturschutzgebiet schonen und hält sich streng an internationale Handlungsempfehlungen. Dafür muss jeder Eschenbaum, der auf dem 450 Hektar großen Gebiet wächst, einzeln auf Krankheitssymptome hin kontrolliert werden. „Wenn die Kronen dürr werden, ist das ein klares Anzeichen“, weiß Els.

„Um viele Bäume ist es schade. Der Pilz greift nur die Wurzeln an, das Holz selbst bleibt unversehrt.“Franz Els, Bauhof-Leiter

Das Eschentriebsterben geht auf einen aggressiven Baumpilz zurück, der sich in den Blättern festsetzt. „Sobald diese abfallen, verbreiten sich die Sporen und dringen in das empfindliche Wurzelsystem ein“, schildert Els. Die feuchten Auwälder sind dabei der ideale Nährboden.

Hinzu kommt, dass die Eschen weit verbreitet sind: „Wir haben hier so viele Eschen, weil diese früher für die Skiproduktion angepflanzt wurden. Nicht umsonst nannte man sie Brotbäume“, erzählt Els. Umso größer ist die Herausforderung, jeden Stamm einzeln freizulegen und zu bestimmen, ob ein Befall besteht oder nicht. „Betroffen ist nur die heimische Esche.“ Andere Baumarten seien vor dem Pilz sicher.

Während einige Grundbesitzer auf die Baumkrankheit mit einem Kahlschlag reagierten, geht das speziell geschulte Team des Stockerauer Bauhofs sehr behutsam vor. Die Bäume werden bewertet und je nach Zustand farblich markiert. Ein händisches Fällen stellt sicher, dass andere Bäume unbeschadet bleiben. „Wir haben uns zunächst auf die Hauptrouten konzentriert, die in einem Radius von 30 Metern gesichert sein müssen“, erklärt Els.

NOEN
Der Baumpilz – hier an den dunklen Stellen zu erkennen – fällt die empfindlichen Wurzeln an. Das Holz wird morsch, der Baum kann jederzeit kippen. „Der Pilz kann nur abgetötet werden, indem man den Baum fällt“, so Bauhof-Leiter Franz Els.

Doch schon alleine auf diesem Gebiet mussten ganze Stapel an Bäumen gefällt werden. „Um viele ist es schade. Der Pilz greift nur die Wurzeln an, das Holz selbst bleibt unversehrt. Auch viele sogenannte Zukunftsbäume, die besonders schön gewachsen sind und sehr wertvoll wären, mussten wir fällen“, bedauert der Bauhof-Leiter. Das Holz wird verkauft.

„Ein Kahlschlag widerspricht jeder Vielfalt der Natur. Und man schneidet sich damit eine wirtschaftliche Ader ab“, kann VP-Stadtrat Karl Kronberger, zuständig für den Bereich Forst, ein radikales Vorgehen nicht verstehen. Er hat großes Lob für die Mitarbeiter des Bauhofs über, die sorgsam mit der Situation umgehen.

Was nach wie vor ein großes Problem darstellt, ist die Ignoranz vieler Au-Besucher. „Trotz klarer Beschilderung gehen und fahren viele ins gefährliche Gebiet. Manchmal sogar direkt an uns vorbei, obwohl wir gerade bei einer Baumfällung sind“, können die Mitarbeiter nur den Kopf schütteln. Zurechtweisen können sie nicht jeden: „Mehr als Schilder aufstellen können wir auch nicht.“ Da die kranken Bäume völlig unvermittelt umkippen, besteht Lebensgefahr.