Gastro-Sterben ist ein trauriger Trend

Erstellt am 03. Dezember 2022 | 05:43
Lesezeit: 3 Min
Der „Kardos“ und der „Schwarze Elefant“ sind ein Sinnbild für das Schließen von Wirtshäusern in Stockerau.
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Es fällt auf, wenn man durch die Stadt spaziert und es mit früher vergleicht: Im Bereich Gastronomiebetriebe hat sich einiges getan. Einige Traditionsunternehmen sperrten zu, wie etwa der „Schwarze Elefant“ und der „Kardos“. Die NÖN ging auf Spurensuche.

Inzwischen leer steht das Gebäude des ehemaligen „Kardos“, obwohl es zunächst anders aussah. Familie Kardos führte den Betrieb seit 1974 und zog sich 2020 zurück. Es ging aber vorerst weiter, denn Aida Berbati, die im Betrieb seit 2014 als Köchin engagiert war, übernahm das Gasthaus. Um die Stammgäste zu halten, wurde der Name „Aida vormals Kardos“ gewählt. Doch dann kam Corona und damit viele Probleme, deshalb gingen in diesem Sommer die Türen für immer zu. Eigentümerin des Gebäudes ist Andrea Hladik, sie bedauert die Entscheidung: „Es ist wirklich sehr schade, dass es nicht funktioniert hat, Frau Berbati hatte einfach Pech mit dem Zeitpunkt der Übernahme.“

Nun sei es ihre Aufgabe, das Gebäude wieder zu vermieten. Interessenten gibt es noch keine, dies hätte aber damit zu tun, dass sie noch keine Zeit hatte, aktiv zu suchen. „Das wird ein Projekt für den Frühling, aber wenn sich vorher jemand findet, ist es natürlich noch besser.“

Es sei völlig offen, wie das Gebäude verwendet wird; am liebsten wäre ihr aber wieder ein Gastro-Betrieb, „denn das Kardos gehörte ja schon zu Stockerau, vielleicht gibt es an dem Standort wieder ein tolles Lokal“.

Ein Beispiel für das Gastro-Sterben ist auch der „Schwarze Elefant“, der über 160 Jahren im Familienbesitz der Karls war. Im September 2019 schloss das Wirtshaus, die Gästezimmer gab es noch bis 2022, ehe mit 31. Juli die offi zielle Betriebsniederlegung erfolgte. Es war ein schwerer Schritt, verrät Angela Karl, die den Betrieb 23 Jahre an der Seite ihres Mannes Josef Karl führte, aber ein logischer: „Eigentlich war eine Auszeit von einem halben Jahr geplant, aber die Freude, wieder aufzusperren, war nicht mehr da, also ist es zu geblieben.“ Dies hatte zwei Hauptgründe: Es war schwer, gutes Personal zu finden, und die Gäste wurden immer anspruchsvoller, erzählt sie.

Ehemann Josef Karl konnte noch nicht verkraften, dass das Traditionsunternehmen ausgerechnet während seiner „Führung“ zusperrte. Er sei aber wieder auf dem Weg der Besserung, lässt seine Frau wissen. Schwer wird aber noch der Tag, an dem die Karls, die inzwischen gegenüber des Grundstücks ein neues Zuhause gefunden haben, erleben, was mit dem Gebäude passiert. Sie hoffen, dass dieser Tag nicht so bald kommen wird.

Das Gebäude wurde bereits an eine Immobilienfirma verkauft, konkrete Pläne für die weitere Verwertung gibt es aber noch nicht.

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