Georg-Danzer-Haus: Jugendliche mussten ausziehen. Eine Einrichtung wurde bereits geschlossen. Verein Fluchtweg steckt im Konkursverfahren.

Von Theodora Höger. Erstellt am 12. Juli 2017 (05:00)
NOEN, Höger
Das Danzer-Haus beim Gymnasium ist bereits seit einer Woche geschlossen – der Vermieter hatte den Vertrag gekündigt. Die Jugendlichen wurden einvernehmlich verlegt.

Der Verein Fluchtweg, der die Georg-Danzer-Häuser in Stockerau betreibt, steckt mitten im Konkursverfahren. Bereits nächste Woche sollen die Gläubiger und die Schuldner am Handelsgericht aufeinandertreffen. Der Konkurs ist juristisch gesehen „geringfügig“. Das bedeutet, dass es sich voraussichtlich um nicht mehr als 50.000 Euro Schulden handelt.

„Der Betrieb wird auf jeden Fall weitergehen. Wir wollen auch weiter denen helfen, die Hilfe benötigen. Zu einer Insolvenz wird es nicht kommen“, ist sich Obfrau Iris Wirl, sicher. Weder sie noch Kassierin Marianne Engelmann wollten weitere Auskünfte geben.

„Der Betrieb geht auf jeden Fall weiter. Wir wollen auch weiterhin denen helfen, die Hilfe benötigen. Zu einer Insolvenz wird es nicht kommen.“Iris Wirl, Obfrau

Anton Heinzl, Pressesprecher des zuständigen Landesrats Maurice Androsch, erzählte im Gespräch mit der NÖN, dass bereits vergangene Woche das Georg-Danzer-Haus 1 geschlossen worden war. Der Vermieter habe den Vertrag mit dem Verein gekündigt; die Jugendlichen wurden einvernehmlich verlegt.

Alles musste recht schnell gehen, erzählte Peter Rozsa, Leiter der Landeskoordinationsstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, im Gespräch mit der NÖN: „Wegen der drohenden Obdachlosigkeit mussten wir rasch handeln. Wir haben das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht und uns bemüht, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden. Einige der Jugendlichen aus dem Georg-Danzer-Haus 1 konnten in Stockerau bleiben, damit sie ihre Deutschkurse auch weiterhin besuchen können“, so Rozsa weiter.

"Jugendliche mit Betreuung teilweise nicht glücklich"

Gerüchten zufolge soll die Finanzierung allerdings nicht das einzige Problem des Vereins sein – die Jugendlichen sollen laut mehreren Stimmen auf Facebook nicht adäquat betreut worden sein und hätten auf Verlegung gedrängt. Dass einige der Jugendlichen bereits vorab das Georg-Danzer-Haus verlassen wollten und sich diesbezüglich sogar aktiv bei der Koordinationsstelle des Landes gemeldet haben, kann Rozsa jedenfalls bestätigen: „Sie waren mit der Betreuung teilweise nicht so glücklich. Das meiste davon waren aber pädagogische Differenzen. Die wären auszubügeln gewesen. Aber dann kam die überraschende Nachricht, dass der Vermieter den Mietvertrag aufgekündigt hat. So mussten wir ohnehin einige Jugendliche umquartieren“, erinnert er sich.

„Es gab Jugendliche, die wegen der Drogenproblematik und der mangelnden Unterstützung das Danzer-Haus verlassen wollten“, weiß eine der NÖN bekannte Informantin, die anonym bleiben möchte.

Dem Verein Fluchtweg sämtliche Kompetenzen absprechen wolle er dennoch nicht, so Rozsa. Er wolle das zweite Georg-Danzer-Haus „so lange wie möglich“ erhalten.