Gymnasium führt Kleiderordnung ein: Zu freizügig ist nicht erlaubt

Erstellt am 13. September 2023 | 09:30
Lesezeit: 5 Min
Kleiderordnung Gymnasium Stockerau
Die Abbildung des Gymnasiums Stockerau veranschaulicht, was bei der Kleidung zu beachten ist.
Foto: privat
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Das Shirt muss den Nabel bedecken, die Hose darf nicht zu kurz sein: Die neue Kleiderordnung am Stockerauer Gymnasium heißt nicht jeder gut. Was Direktorin Claudia Reinsperger dazu sagt und ob die Bekleidung an anderen Schulen gleichermaßen ein Thema ist.

Das Gymnasium Stockerau hat den Schülern am ersten Tag ein Schreiben mit der überarbeiteten Hausordnung mitgegeben: Diese legt fest, mit welcher Kleidung die Schwelle zum Schulgebäude übertreten werden darf. Veranschaulicht wird das mit einer zeichnerischen Abbildung.

Angeführt ist beim Mädchen, dass ihr Shirt den Bauchnabel und den Brustansatz verdecken soll. „Die Hose darf nicht kürzer sein als eine Handbreit von der Schrittgrenze“, steht bei der kurzen Jeans. Der abgebildete Bursche trägt während des Unterrichts keine Haube oder Kappe. „Das Schuhwerk hat kein Profil, in dem Schmutz oder Nässe haften bleiben.“ Und: Diskriminierende Texte oder Bilder zu Sexismus, Rassismus, Drogen- oder Gewaltverherrlichungen werden nicht geduldet.

Reglementierung ist „Bevormundung unserer Kinder“

„In der Stockerauer Hausordnung wird dann nochmals konkret darauf hingewiesen, dass bauchfreie Kleidung unerwünscht ist“, schreibt ein Vater, der anonym bleiben möchte, der NÖN-Redaktion. „Ich schätze, ich bin nicht der Einzige, der sich dazu melden wird, aber ich finde eine Reglementierung der Bekleidung als Bevormundung unserer Kinder.“

„Ich bin dagegen, weil es falsche Signale sendet, da es hauptsächlich Mädchen betrifft“, sagt eine Frau, die sich ebenso an die NÖN gewandt hat. Eine Debatte ist in den sozialen Medien ausgebrochen: Einerseits werden die Vorgaben befürwortet, um Mädchen vor Angriffen schützen zu können, andere haben ein Problem damit, weil man Mädchen unter dem Deckmantel „Arbeitskleidung“ verhüllen muss.

Natürlich erwarte ich mir, dass sich die Lehrer daran halten Claudia Reinsperger

„Es muss gewisse Regeln geben“, sagt dazu Direktorin Claudia Reinsperger. Die Änderung der Hausordnung sei in der Schulpartnerschaft mit der Schülervertretung, zwei weiteren Schülern und den Vertretern des Elternverein besprochen und im Schulgemeinschaftsausschuss im Frühjahr beschlossen worden. „Wir finden es schon wichtig, dass die Schüler erkennen: Es gibt einen Arbeitsplatz - in dem Fall die Schule -, an dem 1.100 Schüler und Lehrer zusammenarbeiten.“ Die Bekleidung sei dort eine andere als in der Freizeit. „Natürlich erwarte ich mir, dass sich die Lehrer daran halten.“

„Manche tragen nur noch einen Sport-BH“, nennt Reinsperger ein Beispiel dafür, was nicht zum Arbeitsplatz passt. Das bauchfreie No-go gelte „selbstverständlich auch für die Burschen“. Eine Diskriminierung der Mädchen komme nicht infrage: „Die Burschen dürfen das genauso wenig, sie dürfen auch nicht mit nacktem Oberkörper im Unterricht sitzen.“

Kapperl ist in der Pause erlaubt, Religion bildet die Ausnahme

In der Hausordnung waren bereits Bekleidungsregeln festgelegt, ergänzt die Direktorin. Die Kopfbedeckung im Unterricht - eine Ausnahme bildet die Religion - war schon zuvor nicht erlaubt. Es sei aber kein Problem, dass die Jugend in der Pause ein Kapperl aufsetze, „wenn sie ihre Coolness ausdrücken will“. Hausschuhe dürfen nur glatte Sohlen haben: „Wir haben Kunststoffböden“, erklärt Reinsperger, dass dies zum Schutz der Oberflächen diene.

Wie sieht's im Schwimmunterricht aus? „Das ist die Regelung der Turnlehrer“, kennt Reinsperger ad hoc nicht die genauen Vorgaben. „In der Hausordnung haben wir das nicht verankert.“ Sie wundert sich im Übrigen über Beschwerden: „Bei mir hat sich niemand gerührt.“ Eltern haben sie nur nach der Sitzung des Schulgemeinschaftsausschusses kontaktiert. „Ich hatte den Eindruck, dass ich das ganz gut erklären konnte.“ Die Klassenvorstände haben außerdem am Schulanfang erläutert, „was unsere Intention ist“.

AHS Korneuburg: Bekleidung wird immer wieder diskutiert

Wie sieht's in anderen Schulen aus? Das Thema Bekleidung ist auch in der AHS Korneuburg ein Thema, das immer wieder diskutiert wird, sagt Direktor Hartwin Eichberger auf NÖN-Anfrage. „Es wurde auch bereits im Schulgemeinschaftsausschuss besprochen“, bestätigt er. Derzeit gebe es keine Bekleidungsvorschrift, lediglich das Verbot des Tragens einer Kopfbedeckung sei in der Hausordnung enthalten.

Für den Weg, den Stockerau mit der Kleiderordnung eingeschlagen hat, hat er aber durchaus Verständnis. Sehr freizügige Kleidung sei bei Mädchen - vor allem in der warmen Jahreszeit - keine Seltenheit, auch beim Schminken würden manche noch nicht „das richtige Maß“ treffen. In solchen Fällen nehmen das Lehrerinnen Kontakt mit den Schülerinnen auf und versuchen, auf sie einzuwirken. Fazit des Direktors: „Momentan gibt es noch keine Regelung, aber wir werden uns das weiter anschauen.“

HAK Korneuburg: Persönliches Gespräch wird gesucht

Hinsichtlich Bekleidung gibt es an der BHAK Korneuburg keine konkreten Vorschriften. Es gilt lediglich eine Hausschuhpflicht - und die nur ab Mitte September bis zirka Ende April. „Sollte ein Schüler oder eine Schülerin „unpassend“ gekleidet sein, suchen wir das persönliche Gespräch“, erklärt Direktorin Gerlinde Tatzber. Es gebe ganz wenige Schüler, die eine Haube oder Kappe tragen, „bei Präsentationen et cetera werden diese jedenfalls abgenommen“, sagt sie.

Man vermittle den Schülern im Rahmen des Unterrichtes (Business Behaviour), wie man sich für welche Anlässe passend kleidet. „Zweimal jährlich haben wir an der Schule einen 'Business-Day', wo alle Schülerinnen und Schüler in Businesskleidung in den Unterricht kommen“, erzählt die Direktorin.

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