Neue Amtsdirektorin im Gespräch: „Kann etwas ändern“

Erstellt am 01. Juli 2022 | 05:22
Lesezeit: 5 Min
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Christina Pinggera war Bereichsleiterin, wurde stellvertretende Amtsdirektorin und folgt nun Maria Andrea Riedler nach.
Foto: Karin Widhalm
Christina Pinggera wird mit 1. Juli offiziell neue Amtsdirektorin der Stadtgemeinde Stockerau – und spricht über die Herausforderungen.
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Christina Pinggera tritt offiziell mit 1. Juli ihren Posten als Amtsdirektorin in der Stadtgemeinde an. Faktisch übt sie dies schon seit Ende Mai aus, weil ihre Vorgängerin Maria Andrea Riedler vor ihrem Ruhestand noch Urlaub abgebaut hat. Pinggera ist seit dem Herbst stellvertretende Stadtamtsdirektorin.

NÖN: Hatten Sie genügend Zeit, sich auf Ihre neue Aufgabe vorzubereiten?

Christina Pinggera : „Man kann sich ein Bild machen, aber in der Zeit alles oder auch nur einen überschaubaren Teil lernen zu können, ist unrealistisch. Der Job ist sehr vielfältig. Stockerau ist die größte Stadt des Weinviertels, hat fast 18.000 Einwohner und fast ebenso viele Bedürfnisse der Menschen, dazu kommen Stakeholder wie das Land, die Bezirkshauptmannschaft, die umliegenden Gemeinden. Ich habe einen Einblick und einen Ausblick bekommen, aber keinesfalls das umfassende Repertoire. Die Illusion habe ich mir nicht gemacht. Das ist auch etwas, dass es spannend macht.

Warum wollten Sie diesen Beruf ergreifen?

Pinggera : Er ist getragen von sehr viel juristischer Arbeit. Man ist Generalist und befasst sich vom Baurecht bis hin zum Naturschutz. Ich beschäftige mich an einem Tag mit der Gebrauchsabgabe und habe am nächsten Tag ein arbeitsrechtliches Problem: Man weiß nicht, was auf einem zukommt. Diese Vielfalt ist schön. Eine wichtige Komponente war: Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten und viel Kontakt zu ihnen zu haben. Sie können mit ihren Anliegen zu mir kommen – und ich kann helfen. Am Ende des Tages habe ich Sorgen genommen, habe jemanden zufrieden machen können. Das ist wirklich toll und das macht Sinn, weil ich wirklich etwas ändern und gestalten kann. Natürlich: Die behördlichen Entscheidungen sind nicht immer etwas Positives und man kann nicht immer alle glücklich machen.

Wichtig ist auch, dass ich ein super Team habe. Es ist ja vieles im Umbruch, wir haben einen relativ neuen Baubereichsleiter, einen neuen Bereichsleiter für Marketing, Sport und Kultur und einen neuen Wirtschaftshofleiter sowie einen neuen Stadtförster, weiters wird ein Wechsel mit der Pensionierung des Finanzdirektors stattfinden. Derzeit ist es ein Mix an altbewährten und neuen Leuten – und ich habe schon gesehen: Ich kann mit ihnen gut zusammenarbeiten.

War es ein lang vorbereiteter Schritt hin zur Amtsleiterin mit einer Zwischenstation als Bereichsleiterin?

Pinggera : Die Ausschreibung für die Bereichsleitung für Marketing, Sport und Kultur hat mich damals total angesprochen. Alles was gesucht war, konnte ich an Skills mitbringen, und darum habe ich mich beworben. Als ich gekommen bin, war für mich klar, dass Maria Andrea Riedler bis 65 (Anm.: sie ist 63) Direktorin bleiben wird. Ich durfte sie dann im Sommer interimsmäßig vertreten, daraus ist die ständige Stellvertretung gewachsen. Es war nicht der Plan, aber jetzt macht’s mich unheimlich glücklich. Die Jobs haben immer mich gefunden.

Gibt’s Herausforderungen?

Pinggera : Viele. Am Ende des Tages bin ich letztverantwortlich für die Verwaltung. Ich muss verschiedene Interessen und Bedürfnisse der Bürger und der schon angesprochenen Stakeholder unter einen Hut bringen, auch ausgleichend wirken und schauen, dass man bestmöglich zu einem Ergebnis kommt, mit dem jeder leben kann. Man muss den Leuten auch bewusst machen, dass man oft Kompromisse eingehen muss, damit man bestmöglich zusammenleben kann. Das ist auch meine Aufgabe: vermittelnd und erklärend zu unterstützen und nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen. Die Bedürfnisse auszugleichen ist schon eine große Herausforderung.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Pinggera : Jeder Tag ist anders. Wichtig ist mir, dass ich den Kontakt mit dem Team und meinen nächsten Mitarbeitern suche. Das ist Bestandteil jedes Arbeitsalltages. Da muss eine Abstimmung passieren, auch mit Bürgermeisterin Andrea Völkl. Es vergeht kein Tag, wo wir nicht unsere To-dos abstimmen. Zum Ausgleich mache ich Sport: Man ist stärker, ausgeglichener und belastbarer. Manchmal lösen sich beim Laufen Knoten auf und man hat die Lösung eines Problems vor den Augen.

Die Stadtregierung besteht aus einer Allianz zwischen ÖVP, SPÖ und FPÖ. Die Grünen sind in der Opposition: Wirkt sich das auf die Verwaltung aus?

Pinggera : Die Aufgabe des Stadtamtsdirektors ist es, den politischen Willen umzusetzen und ich mache diese Aufgabe völlig unparteiisch. Ich arbeite die Punkte, die die politischen Gremien beschließen, im bestmöglichen Sinn für die Bürger ab. Was jeder persönlich davon hält, bleibt jedem unbenommen.

Natürlich: Je runder es in der Politik läuft, umso einfacher ist es für die Verwaltung. Wenn es hakt, spürt das auch die Verwaltung, hat aber keinen so starken Einfluss. Entscheidungen brauchen vielleicht länger, Projekte können aufgeschoben oder vorgezogen werden, das kann eine Auswirkung sein.

Wer wird Ihre Stellvertretung übernehmen?

Pinggera : Wir haben geplant, dass die jeweiligen Leiter die Aufgaben, die ihren Bereich betreffen, erledigen. Der Leiter des Personalamts war früher bei meiner Vorgängerin die Stellvertretung. Er wird das einstweilen für mich übernehmen. Aber ich habe in nächster Zeit keinen längeren Urlaub geplant, also wird das nicht so bald zu tragen kommen.

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