Sebastianikirche ist wieder am Markt. Das kleine Gotteshaus und das zugehörige Zinshaus werden auf willhaben zum Verkauf angeboten.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 31. Januar 2020 (04:23)
Die Pläne der beiden Käufer für die Kirche an der Hauptstraße gingen nicht auf, nun wollen sie sie inklusive Zinshaus wieder veräußern. Die Opposition wünscht sich, dass die Stadt die Immobilie wieder übernimmt.
Höberth

Die Geschichte rund um die kleine Sebastianikirche im Stadtzentrum nimmt erneut eine Wendung: Das Gotteshaus, das schon lange nicht mehr für sakrale Zwecke genutzt wird, sowie das zugehörige Zinshaus wurden erst im Vorjahr vom ehemaligen Sierndorfer ÖVP-Gemeinderat Marius Engelbrecht und seinem Geschäftspartner Rupert Beer erworben. Geplant war, die Wohnungen zu sanieren und die Kirche für eine Urnenwand zu nutzen (die NÖN berichtete). Diese Vorhaben gehören nun jedoch der Vergangenheit an: Seit Kurzem wird der Gebäudekomplex auf der Onlineplattform willhaben zum Verkauf angeboten.

Vor den Gemeinderatswahlen im März 2019 war der Verkauf der Immobilie, die lange Zeit im Eigentum der Stadt stand, zum politischen Spielball geworden: Engelbrecht wandte sich an die Medien, da die SPÖ-Regierung unter Helmut Laab ihm den Verkauf zwar zugesagt hätte, jedoch bestehende Mietverträge zwischen der Gemeinde und der Kommunalen Immobiliengesellschaft – einer Tochtergesellschaft der Stadt – nie aufgelöst hatte. Nach den Neuwahlen ermöglichte schließlich die neue ÖVP-Regierung den Verkauf des Gebäudes, wenn auch nicht mit großer Freude: Die neuen Besitzer waren bereits im Grundbuch eingetragen, der Stadt fehlte damit jede Handhabe.

Nun, nicht einmal ein Jahr nach der Absegnung des Verkaufs, nehmen Engelbrecht und Beer Abstand von der Immobilie: „Unser Konzept ließ sich nicht so leicht umsetzen“, erklärt Engelbrecht. Für die Urnenwand hätte es eine Genehmigung des Landes entsprechend dem Bestattungsgesetz gebraucht. Die Wohnungen konnte man dabei nicht behalten; die Immobilie kann nur als Ganzes verkauft werden, so Engelbrecht.

Derzeit werden die Kirche und das Zinshaus zu einem Preis von 1.250.000 Euro zum Kauf angeboten – weitaus teurer als der ursprüngliche Erwerbspreis von rund 700.000 Euro. Eine Tatsache, die ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl hinnehmen muss: „Das ist eben der Lauf der Dinge, und wir akzeptieren das auch so. Einen höheren Verkaufspreis anzubieten, steht jedem frei“, macht sie klar.

Das Gebäude zurückzukaufen, wie es sich die Oppositionsparteien wünschen würden, kommt für Völkl bei diesen Summen jedoch nicht infrage. „Selbst wenn wir die Immobilie zu unserem Verkaufspreis zurückerhalten könnten, müsste man sich darüber viele Gedanken machen“, so die Stadtchefin. Denn die Kirche steht unter Denkmalschutz und ist sanierungsbedürftig, und auch in das Zinshaus müsste investiert werden. „Ich hoffe, dass sich ein Käufer findet, dem etwas an den Gebäuden liegt und der sie pflegt. Der Denkmalschutz ist dabei ein Vorteil“, weiß Völkl. Ihr Wunsch wäre, dass jede weitere Nutzung auch ein Gewinn für die Stadt ist.