Sebastianikirche wechselt Besitzer. Stadt hat Kündigung des Mietvertrags besiegelt, Kirche und Zinshaus gehören nun Privaten.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 29. Mai 2019 (05:46)
Die Sebastianikirche und das Zinshaus sind nicht länger im Besitz der Stadt.
Höberth

Es war der Knalleffekt vor den Gemeinderatswahlen am 24. März: Der Sierndorfer Gemeinderat Marius Engelbrecht und sein Geschäftspartner Rupert Beer hatten am 25. Oktober 2018 einen Kaufvertrag für die Sebastianikirche samt Zinshaus an der Hauptstraße 52 bis 54 unterschrieben. Die Gemeinde hatte die Gebäude zum Kauf angeboten.

Doch zur Übergabe kam es nie. Der Grund: Es bestand ein Mietvertrag zwischen der Gemeinde und ihrer 100-prozentigen Tochterfirma, der Kommunalen Immobiliengesellschaft, der trotz mündlicher Zusicherung an die beiden Käufer nicht aufgelöst wurde. Daraufhin gab Engelbrecht am 22. März bekannt, dass er und sein Partner vom Kauf zurücktreten.

Neue Besitzer im Grundbuch

Wie sich bei der Gemeinderatssitzung vergangene Woche jedoch zeigte, haben die beiden ihre Drohung nicht wahr gemacht: Der Kauf ist gültig, die beiden neuen Besitzer sind im Grundbuch eingetragen. Der Gemeinderat beschloss – ohne die Stimmen der Grünen – die Kündigung des Mietvertrags und ermöglichte dadurch die Übergabe an die Käufer. Eine Entscheidung, die aus der Not herausgeboren wurde: „Es wurden Fakten geschaffen, die jetzt zu akzeptieren sind. Wir müssen vertragstreu sein und die Liegenschaft hergeben“, bedauert VP-Stadtchefin Andrea Völkl. Die ÖVP hätte die Kirche und das Zinshaus lieber weiterhin im Eigentum der Stadt gewusst, doch der Vertragsbruch hätte für die Stadt sechsstellige Schadensersatzansprüche bedeutet.

„Es ist bedenklich, wie bei diesem Verkauf vorgegangen wurde“, stellte Grünen-Stadtrat Dietmar Pfeiler bei der Sitzung fest. Konsequenzen für die früheren Verantwortungsträger, darunter auch der ehemalige SP-Stadtchef Helmut Laab als Eigentümervertreter, wird es laut Völkl aber keine geben. „Es liegt nichts Rechtliches vor, mit dem man ihn zur Rechenschaft ziehen könnte.“

"Kosten gehören übernommen"

Bei Marius Engelbrecht hält sich die Freude nach dem Gemeinderatsbeschluss jedoch in Grenzen: „Wir haben nicht mehr damit gerechnet, dass der Verkauf durchgezogen wird, es hat uns vorab auch niemand über diese Absichten informiert“, kritisiert er. Die Wut über das Vorgehen ist bei ihm noch nicht abgeklungen: „Die Kosten, die wir hatten – allen voran beim Notar – gehören übernommen“, erwartet er sich ein Entgegenkommen der Stadt.

Dennoch will er die Pläne für die Liegenschaften nun verwirklichen: Die Wohnungen im Zinsgebäude werden, sobald sie frei werden, saniert. Was mit der Kirche passieren soll, will Engelbrecht aber noch nicht preisgeben.