Stadtfest abgesagt: „Zeit ist uns dann davongerannt“

Erstellt am 03. August 2022 | 05:55
Lesezeit: 4 Min
WISTO-Chef Herbert Knoth erzählt, warum die Organisation des Stadtfestes Stockerau heuer so mühsam war.
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Die Absage des Stadtfests trifft ins Mark, noch mehr die offizielle Begründung des Wirtschaftsvereins Stockerau (WISTO): „Mangelndes oder kein Interesse von Vereinen, und Gastronomen“ wird via Facebook angegeben. „Das ist sauer aufgestoßen“, beobachtet auch Stadtrat Herbert Pohl (FPÖ). „Ich finde es billig, das auf Gastronomie und Vereine abzuschieben.“

WISTO-Obmann Herbert Knoth erklärt indes, dass die Organisation „mühsam“ und „extrem zäh“ gewesen sei. Wenn Mails unbeantwortet bleiben, nach Telefongesprächen noch immer keine Entscheidung zum Mitmachen gefallen ist oder Rückzieher gemacht werden, vereinfache das die Planung nicht. „Bei 30 Eingeladenen hatten wir nur eine Zusage“, denkt er zum Beispiel an den Schmankerlmarkt.

Gastro-Betreiber waren zumindest am Anfang zögerlich, „das Bühnenprogramm mit lokalen Musik-Acts war am einfachsten zu kriegen“, führt Knoth aus. „Es war dann der Punkt da, wo uns die Zeit davongerannt ist.“ Die Entscheidung sei vor der Beauftragung der Drucksorten gefallen, denn: „Jetzt geht’s noch mit geringen Kosten.“

Vorwürfe wurden laut, dass die WISTO potenzielle Beteiligte zu spät eingeladen hätte. „Wir lassen uns sicher nicht vorwerfen, dass wir uns nicht gekümmert hätten oder nachlässig gewesen wären“, weist dies Knoth zurück. Auch, dass die Standgebühren zu hoch angesetzt waren, bestreitet er, die WISTO spricht von moderaten Preisen: „Jeder sollte die Möglichkeiten haben, beim Stadtfest Geld zu verdienen.“

„Stadt hätte mehr unterstützen sollen“

Pohl lobt die WISTO: „Die neue Führung ist sehr engagiert. Ich glaube, die Stadt hätte mehr unterstützen können.“ Probleme ortet er im Diskurs, der zu spät eingesetzt habe, um Probleme zu lösen und Unterstützung organisieren zu können. „Wenn aus dem Gemeinderat jeder für ein, zwei Stunden einen Dienst versieht, kriegen wir das hin“, führt er ein Beispiel an. Ein Grätzelfest in kleinerer Form wäre ebenso eine Möglichkeit gewesen. Außerdem seien die Zuständigkeiten etwa zwischen WISTO und Stadtverwaltung „sehr schwammig“ und der Wille der Politik für das Stadtfest gehöre deklariert.

„Eine mangelnde Kommunikation sehe ich absolut nicht“, erklärt indes Johannes Bartosch, Vorsitzender im Wirtschaftsausschuss. Die WISTO habe dem Gemeinderatsgremium „permanent“ berichtet, inwieweit die Planung gediehen war. „Die WISTO hat sehr lang vorher geplant, aber sicher vorsichtig“, berichtet er. „Corona hängt wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung.“ Er finde die Absage schade, aber auch verständlich. Man habe bis zum Schluss versucht, das Stadtfest auf die Beine zu stellen. Die Zuständigkeiten seien auch klar geregelt.

Das sagt auch Stadtamtsdirektorin Christina Pinggera: Veranstalter ist die WISTO, die Stadt stellte die Infrastruktur zu Verfügung und hilft zum Beispiel bei der Müllentsorgung. Knoth selbst ist zufrieden mit der Zusammenarbeit: „Das hat noch nie so gut funktioniert, das war im Einklang.“

Die WISTO bedauert die Absage. „Wir wollten das für die Bevölkerung machen. Die Menschen sind ausgehungert“, weiß der Obmann. „Wir haben keine andere Erklärung, dass offensichtlich Corona und die Pandemie eine Veränderung in der Gesellschaft und im Geschäftsleben gebracht hat“, vermutet er. „Es kann auch sein, dass unser Konzept überholt ist, vielleicht funktioniert es nur in ländlichen Regionen. Wir sind durchaus selbstkritisch.“

Ob 2023 ein erneuter Versuch gewagt wird, vielleicht mit neuem Konzept, will Knoth „aus jetziger Sicht noch nicht sagen“. Aber: „Der Sportverein hätte ein Clubbing organisiert. Es ist durchaus möglich, dass es noch stattfindet.“ Damit hätte die Jugend heuer noch eine Stockerauer Veranstaltung.

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