Tempo 30 in Heidstraße: „Geht nicht ohne Kontrolle“. Seit Kurzem gilt in dem Stockerauer Straßenzug Tempo 30. Anrainer sehen aber kaum Verbesserungen.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 20. März 2020 (05:33)
Mit großen 30er-Bemalungen wird auf die neue Regelung aufmerksamgemacht. Laut Bewohner Franz Neumayer ignorieren dennoch viele Fahrer die Tempobeschränkung.
Sturm

127 km/h – so schnell wird normalerweise nur auf der Autobahn gefahren. Franz Neumayer hat diesen Wert aber nicht auf der A22, sondern direkt vor seiner Haustür gemessen. Seit vielen Jahren wohnt er in der Nikolaus-Heid-Straße, und seit mehr als 15 Jahren kämpft er dafür, dass die Stadt Maßnahmen gegen die Raserei in dem Straßenzug ergreift.

„37 Fahrzeuge haben im Zeitraum von einem Jahr Geschwindigkeiten zwischen 110 und 127 km/h erreicht.“Franz Neumayer, Bewohner der Heidstraße

„Ich habe mich für ein Geschwindigkeitsmessgerät eingesetzt und dieses aus eigener Tasche mitbezahlt“, so Neumayer, der auch den Strom für das Gerät beisteuert. Seither sammelt er Daten über den Verkehr, der durch die Straße zieht: Von Mai 2018 bis Mai 2019 fuhren rund 1,3 Millionen Fahrzeuge an seinem Haus vorbei, Tempoüberschreitungen standen dabei an der Tagesordnung.

„37 Fahrzeuge haben in diesen Zeitraum Geschwindigkeiten zwischen 110 und 127 km/h erreicht“, veranschaulicht er – eine Gefahr für die Bewohner der Heidstraße, in der auch viele Familien wohnen. „Staub, Schmutz und Lärm – all das macht krank“, macht Neumayer bewusst. Und er ist mit seinen Ängsten nicht alleine: Der Stadt wurde eine Unterschriftenaktion vorgelegt, in der sich über 100 Bewohner der Straße für Maßnahmen gegen die Temposünder aussprechen.

Umso dankbarer waren Neumayer und die Bewohner, dass die Stadt die Heidstraße Ende Februar zur 30er-Zone erklärt hat. „Das wurde rasch umgesetzt, und die Stadt hat dafür auch Geld in die Hand genommen“, freut er sich.

Lang, schmal, gerade: In der Heid-straße fahren viele Lenker schnell. Trotz 30er-Beschränkung wurden Werte über 100 km/h gemessen.
Google Maps

Mit großen Aufmalungen wird auf die Geschwindigkeitsbeschränkung hingewiesen. Dennoch: Die Lenker gehen kaum vom Gas, noch immer wurden über 100 km/h gemessen. „Es ist enttäuschend“, schüttelt Neumayer den Kopf. Für ihn ist klar: Es braucht weitere Maßnahmen, um das Fahrtempo zu senken. „Es geht nur mit Kontrolle“, wünscht er sich mehr Polizeipräsenz.

Auch die frühere ÖVP-Vizebürgermeisterin Christa Niederhammer wohnt in der Heidstraße und setzt sich für ein Radargerät ein. Sie ist überzeugt: Bauliche Maßnahmen könnten das Tempo reduzieren. „An der Kreuzung zur Fuchsgasse könnte ein Fahrbahnteiler helfen, die Geschwindigkeit zu senken. Außerdem bräuchte es ein Blinklicht über der Kreuzung, damit man sie besser wahrnimmt“, schlägt sie vor. Ein weiteres Problem sei die Kreuzung zur Rösch-Straße, vor der gerne nochmals beschleunigt wird.

ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl kennt die Anliegen der Bewohner. „Wir werden uns im zuständigen Ausschuss mit der Heidstraße beschäftigen“, kündigt sie an. Sie macht aber auch klar: „Hinter jeder Verkehrsmaßnahme steckt Zeit und Geld. Und wir können viele Entscheidungen auch nicht alleine treffen, sondern brauchen dafür die Bezirkshauptmannschaft oder das Land.“