Verein „Frauen für Frauen“: Gewalt hat viele Gesichter. Am Standort in Stockerau finden Frauen, die von Gewalt betroffen sind, Hilfe.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 13. Februar 2020 (16:11)
Barbara Murero-Holzbauer (l.) und Veronika Wolf vom Verein „Frauen für Frauen“ wissen, wie wichtig eine Begleitung für Frauen ist, die von Gewalt betroffen sind. Das hoch qualifizierte Team hilft Frauen, ihren eigenen Weg in ein neues Leben zu finden.
Höberth

Es sind Taten, die das ganze Land schockierten: 14 Frauen wurden im Vorjahr alleine in NÖ ermordet, österreichweit waren es 41. „Es erschreckt mich, dass es immer mehr Frauenmorde gibt. In Niederösterreich ist das extrem“, weiß Veronika Wolf vom Verein „Frauen für Frauen“, der auch einen Standort in Stockerau hat. In der täglichen Beratungsarbeit des Vereinsteams wird klar: Gewalt steht für viele Frauen an der Tagesordnung.

„Es kommt nicht selten vor, dass in einem themenfremden Kurs das Thema Gewalt aufkommt. Oft beginnen betroffene Frauen in einer vertrauensvollen Umgebung von ihren Gewalterfahrungen zu erzählen“, schildert Barbara Murero-Holzbauer, Geschäftsführerin von „Frauen für Frauen“. Denn körperliche Gewalt ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, Gewalt auf Frauen auszuüben: Isolation, psychische, finanzielle oder sexuelle Gewalt finden hinter vielen Hausmauern statt. „Das ist keine Frage des Milieus“, weiß Wolf, Projektleiterin im psychosozialen Bereich. Das machen auch Untersuchungen klar: Man geht davon aus, dass jede fünfte Frau in Österreich täglich Opfer von Gewalt wird.

„Gewalt ist keine Frage des Milieus. Im Idealfall sollten Frauen und Mädchen schon vor einer Anzeige zu uns kommen.“Veronika Wolf

Frauenberatungsstellen bieten umfassende Hilfe für Betroffene, so auch das Team von „Frauen für Frauen“: Neben psychosozialer Frauen- und Familienberatung und frauenspezifischer Psychotherapie für Frauen und Mädchen, bietet der Verein auch die Prozessbegleitung an. „Im Idealfall sollten Frauen und Mädchen schon vor einer Anzeige zu uns kommen. Meist werden wir aber erst danach eingeschaltet“, weiß Wolf. Die betroffenen Frauen erhalten eine umfassende Begleitung durch den Prozess. Vor- und Nachbesprechung sind dabei nicht weniger wichtig als die Begleitung durch das Gerichtsverfahren selbst. „Es kommt natürlich auch zu Freisprüchen, darauf bereiten wir die Frauen vor“, so Wolf. Dennoch ist es wichtig, bei Gewalt rechtliche Schritte zu setzen. „Das gilt aber nicht in jedem Fall. Auch bei dieser Entscheidung können sich die Frauen bei uns beraten lassen.“

Der Schritt, sich Hilfe zu suchen, ist für viele Frauen ein schmerzlicher, denn noch immer ist Gewalt in der Familie ein Tabuthema und mit Scham behaftet. „Man darf nicht vergessen, dass hier Gewalt im privatesten Umfeld passiert. Die Opfer haben oder hatten die Täter gern, sie hatten mit ihnen ihre Zukunft geplant“, macht Wolf bewusst. Auch Hilfe von außen läuft dabei oft ins Leere: „Für Helfer, meist Freunde, ist es schwer zu ertragen, wenn von der betroffenen Frau nichts kommt. Dennoch sollte man immer wieder Hilfe anbieten, aber keinen Druck ausüben“, rät Wolf. Sollte man Gewalt jedoch unmittelbar miterleben, ist Zivilcourage gefragt: „Hier können Nachbarn helfend eingreifen und die Polizei verständigen“, erzählt Wolf.

Für Frauen, die sich eine neue Existenz aufbauen müssen, bietet „Frauen für Frauen“ eine besondere Hilfestellung: In Hollabrunn wurden Frauennotwohnungen geschaffen, die für jeweils neun Monate vergeben werden. Doch ganz gleich, wie sich die Fälle gestalten: Ziel der Beraterinnen des Vereins ist es, dass die Frauen ihren eigenen Weg finden. „Wir unterstützen die Frauen dabei, in ein selbstbestimmtes Leben zu finden“, so Murero-Holzbauer.